Mastering Tutorial

Transfermedien

Die Montage im PQ-Editor ist fertig, alle passt, nur wie kommt das ganze von der DAW ins Presswerk?

In früheren Tagen hätte wir alles auf analoges Tonband ausgespielt und zusammen mit einer ausgedruckten PQ-Liste an den Glasmaster Spezialisten übergeben. Dieser digitalisiert das Material und programmiert die Maschinen entsprechend den Vorgaben.

Alternativ dazu gab es später allerlei andere Gerätschaften wie den Sony PCM-9000 MO-Recorder, Exabyte 8 mm Streamer Tapes oder das PCM 1630 System, die eine Art digitales Image der späteren CD erstellten und so verspätete Klangveränderungen und menschliche Fehler im Presswerk ausschlossen.

Sonys PCM ist im übrigen mitverantwortlich, dass eine CD ihre technischen Werte erhalten hat. Schreiben wir anstelle von Bildern Audiodaten in die Schrägspur des Videobandes, reicht die verfügbare Bandbreite bei 16 Bit gerade für 44.1 kHz Stereoton. Auf die parallel verlaufenden Audiokanäle lässt sich zusätzlich PQ Code (Kanal 1) und SMPTE (Kanal 2) aufzeichnen.

Pre-Mastering auf U-Matic
Pre-Mastering auf U-Matic

CD-Audio

Obwohl U-Matic von vielen Presswerken noch akzeptiert wird, stehen die meisten Recorder als museumsreifer Blickfang unbenutzt in den Regalen und wurden durch CD, DVD oder das Internet abgelöst. Gerade für Privatpersonen mit niedrigem Budget liegt es nahe eine selbst erstellte Audio CD als Premaster einzusenden.

Was auf den ersten Blick als gute Idee erscheint, entpuppt sich jedoch als gefährliches Selbstmordkommando. Ein kleiner Kratzer, ein Staubkorn oder Fingerabdruck genügt und schon ist der Datenträger eventuell unbrauchbar. Schuld daran ist die Technik der Audio CD selbst, die mit dem Cross Interleaved Reed-Solomon Code (CIRC) über eine nur mäßige Fehlerkorrektur verfügt. Wer sich trotzdem traut, sollte wenigstens folgende Regeln beachten:

Brennmodus

CD-Brenner kennen zwei Schreibmodi: während Disc-At-Once (DA0) zu einer durchgehende Spur von Anfang bis Ende führt, setzt der Laser in Track-At-Once (TAO) zwischen den einzelnen Liedern kurz ab und erzeugt E32 Fehler, die als Knackser erscheinen können. Die einzige richtige Einstellung ist daher DAO.

Cd Brennen Menu

Brenngeschwindigkeit

Oft wird behauptet eine CD profitiere von einfacher (1x) Brenngeschwindigkeit, nur so würde die Spur sauber und exakt. Ein Blick in das Angebot der Hersteller verrät jedoch, dass solch langsame Rohlinge schon lange verschwunden sind. Heute geht es bei mindestens bei 4fachem Speed los und unterschreiten wir diese Vorgabe kann die Qualität darunter leiden.

Markenrohlinge

Ebenfalls falsch ist ist der Glaube an teure Markenrohlinge. Die wenigsten Hersteller produzieren ihre eigenen Discs und kaufen lieber, wie auch der Discounter, günstig in Fernost ein. Dadurch ist die Qualität je nach Charge stark schwankend und was gestern gut war, morgen vielleicht schon mangelhaft.

Um dies auszuschließen, bieten manche Presswerke geprüfte Rohlinge, mit von Haus aus geringer Fehlerraten an. Dies maximiert die Wahrscheinlichkeit einwandfreie Kopien zu erhalten.

Wave & Images

Deutlich sinnvoller sind Datenträger mit Dateisystemen, die über zusätzliche Test- und Sicherheitsmaßnahmen verfügen, zum Beispiel Daten CDs, DVDs, Festplatten oder virtuelle Übertragung per FTP. Bleibt nur die Frage, welche Inhalte speichern wir darauf?

Wave & PQ Export

Eine Möglichkeit sind einzelne, nummerierte beziehungsweise eine durchgehende Wave Datei zusammen mit dem PQ-Sheet. Auf einen beliebigen Datenträger kopiert, werden sie im Presswerk erneut in eine Montage eingeladen und der Glasmaster nach den Vorgaben des PQ-Sheets programmiert. Durch den zusätzlichen Arbeitsaufwand kostet ein solcher Service jedoch gewaltigen Aufschlag.

Wave Export
Alle Titel exportieren und als Daten brennen

Images

Deutlich komfortabler sind virtuelle Abbilder realer Audio CDs, auch Images genannt. Sofern vom Presswerk unterstützt, können die ISO, NRG, BIN, IMG, oder CUE Dateien bekannter Brennprogramme wie Toast oder Nero direkt weiterverarbeitet werden.

Professionelle PQ-Editoren ohne diese Funktion lassen sich mit Hilfe eines virtuellen CD-Recorders nachrüsten. Anstatt eine physische CD zu brennen, fängt ein Treiber den Befehl ab und erzeugt das Abbild.

The Pro Way

Ob U-Matic, Audio CD, Image File oder Datenträger mit Audiodateien – all diese Verfahren sind möglich, aber im professionellen Bereich eher ungewöhnlich. In Zeiten in denen Presswerke nur auf besonderen Wunsch tiefgreifende Qualitätskontrollen des angelieferten Materials übernehmen, sollte die Fehlerwahrscheinlichkeit von Anfang an so gering wie möglich sein.

Wer’s wirklich g’scheit machen will, investiert in eine entsprechende Software und exportiert die Session im Industriestandard DDP. Und was das ist, schauen wir uns im nächsten Abschnitt an.