Dürfen, nicht müssen

Die Traumkette eines jeden Mastering Engineers

Eigentlich könnte unser Leben so einfach sein: Wir bekommen einen fertigen Mix, hören ihn an und wenn der Mischer sein Handwerk verstanden hat, geht es ohne weitere Bearbeitung direkt auf CD oder zum Online Anbieter. Leider hat die Sache zwei Haken …

PirateHaken 1

Der perfekte Mix ist eine sehr seltene Angelegenheit. Irgendeine Kleinigkeit wurde bestimmt vergessen oder durch eine suboptimale Abhörsituation und müde Ohren nicht erkannt. Dies beginnt mit verbleibendem Rauschen, ist vielleicht ein Brummen im Subbass, manifestiert sich in misslungener Balance oder übertrieben hoher Restdynamik.

Je nach Art und Stärke der Mängel kann eine Revision im Mastering helfen und subjektiv wahre „Wunder“ bewirken. Gegen zu grobe Patzer ist aber auch der beste Techniker machtlos. Eine Stereosumme bietet meist zu wenig Eingriffsmöglichkeiten für komplexe Rettungsversuche. Das Ergebnis ist danach zwar besser, aber nie optimal.

In diesen Fällen greifen wir anstatt zur Maus zum Telefon und besprechen mit dem Mix Engineer seine schlimmsten Sünden und wie er sie zunächst im Mix beseitigen kann – Mastering als „Remix-Advisor“.

Klangbearbeitung Mastering Realität
Was der Mischer denkt und wie es manchmal wirklich klingt …

PirateHaken 2

Selbst sehr gute Mischungen ohne offensichtliche Mängel werden beim Mastering gerne noch etwas „verbessert“. Der dazu passende Fachbegriff heißt „Veredelung“ oder „Sweetening“ und bedeutet pragmatisch übersetzt: „unnötige Klangveränderungen, um den Kunden zu beeindrucken und das Honorar zu rechtfertigen“.

Zu diesem Zweck verdichten wir die Summe noch ein wenig stärker (gesteigerte Lautheit ist immer gern gesehen), heben mit sanften Shelvings die Höhen und Bässe an und erzeugen zusätzliche Obertöne durch Bandmaschinen, Röhrengeräte oder Exciter.

Rechnet man die erhöhte Lautheit weg, bleibt unterm Strich oft nur das bekannte halbe dB hier, der Hauch da und eine Brise dort. Etwas, dass der Kunde ohne direkten A/B Vergleich nie bemerkt und vermisst hätte. Aber es ist durchaus diese „Perfektion“, die Mastering für viele Kunden ausmacht.

Wobei, ist ein Song danach wirklich perfekt? Schicke einen Song an fünf Studios und du wirst fünf unterschiedliche Interpretationen von Perfektion erhalten. Manche Studios erkennen nicht einmal bereits gemasterte Spuren und überarbeiten sie munter erneut. Wo ist also die Grenze? Wann machen wir zu viel des Guten?

Klangbearbeitung Mastering Kummulation 1
Mehr geht immer

Fazit

Mastering bezogen auf Klangveränderungen kann alles zwischen „gar nichts“ und „kaum wieder zuerkennen“ sein. Worauf es am Schluss hinausläuft, solltest du nach bestem Gewissen, objektiven Kriterien und dem eigenen Geschmack abwiegen. Nur etwas machen, um etwas gemacht zu haben, ist der falsche Weg.