Mastering Tutorial

Geschichte und Entwicklung

Sind alle künstlerischen Arbeiten erledigt und die finale Reihenfolge der Lieder festgelegt, geht es beim Premastering für Audio CDs weiter mit wenig spannenden, aber notwendigen „Verwaltungsaufgaben“. Damit der Datenträger tatsächlich später funktioniert, müssen die reinen Audioinformationen um Steuerdaten und beschreibende Metadaten ergänzt werden.

Was hoch kompliziert klingt, kennt jeder schlicht als „CD brennen“ und gehört(e) neben Feuer machen und aufrecht gehen, quasi zu den Grundfähigkeiten eines modernen Menschen. Rechner an, Musikdateien in das Brennprogramm gezogen und wenige Minuten später spuckt das Laufwerk eine voll funktionsfähige Silberscheibe aus.

Gehen wir tiefer ins Detail, gibt es jedoch einen gewaltigen Unterschied zwischen „mal eben eine CD brennen“ und einem professionell erstellten Premaster. Es erwarten uns ISR- und EAN-Codes, versteckte Möglichkeiten des PQ-Editings, Error-Checks und industrielle Formate wie DDP. Zudem war der ganze Prozess nicht immer so einfach wie heute …

U-Matic

Wir schreiben das Jahr 1984, die Audio CD wird gerade zwei Jahre alt und obwohl bereits millionenfach verkauft, ist die eigentliche Herstellung noch immer eine sehr teure, komplizierte und exklusive Angelegenheit. Selbst Mastering Studios verfügen nicht über die notwendige Technik, sondern schicken die digitalisierten Audiodaten per U-Matic Videokassetten an das Presswerk.

Damit daraus tatsächlich eine funktionsfähige CD wird, liegt dem Medium eine ausgedruckte PQ-Liste bei, in der alle notwendigen Steuerdaten wie Startzeit, Pausenlänge oder Kopierschutz eingetragen sind. Ein Techniker im Presswerk programmiert entsprechend diesen Anweisungen den Laser Beam Recorder und macht er keine Fehler, erstellt die Maschine einen Glasmaster als Pressvorlage.

Typische Produktionskette vom Mastering Studio bis zur fertigen Audio CD
Typische Produktionskette vom Mastering Studio bis zur fertigen Audio CD
Eine PQ-Liste
Eine PQ-Liste

CD-Brenner

Bis ein Mastering Studio zum ersten mal selbst CDs herstellen konnte, sollte es bis 1989 dauern. Der CD-Brenner Namens „CD Professional“ von Meridian hatte die Größe einer Waschmaschine, wog 270 Kilo und wurde jedem ins Haus geliefert der gerade 98.000 $ entbehren konnte. Jeder Brennvorgang schlug mit weiteren 100 $ für den Fuji Rohling zu Buche.

Obwohl sich die Technik in den nächsten Jahren schnell weiter entwickelte und deutlich günstigere und kompaktere Modelle wie der Phillips CDD521/522 auf den Markt kamen, entpupptet sich eine selbsterstellte Audio CD als wenig taugliche Vorlage für den Glasmaster. Die Gefahr dass die Grundqualität oder Fremdeinwirkungen den Datenträger unbrauchbar machten und zu fehlerhaften Duplikaten führte war einfach zu groß. Als Preview für den Kunden hingegen eine großartige Sache.

DDP

Deutliche sicherer ist das ebenfalls 1989 von Doug Carson and Associates entwickelte Dateiformat DDP. Als virtuelles Abbild einer CD fasst es Audio- und Steuerdaten zusammen und kann auf einen beliebigen Datenträgern, anfangs bevorzugt auf Exabyte Streamer Tapes gespeichert werden. Durch die große Akzeptanz in Presswerken und Verbreitung in gängiger Mastering Software ist DDP bis heute der Industriestandard für professionelles Premastering.

DDP ist unabhängig von einem Medium
DDP ist unabhängig von einem Medium