Mastering Tutorial

Pausen und Fades

Neben der geeigneten Reihenfolge spielen für den perfekten Hörgenuss auch die Übergänge zwischen den einzelnen Lieder eine wichtige Rolle:

  • Wie hört ein Song auf (Fade Out)?
  • Wie lang ist die Pause zwischen den Tracks?
  • Wie fängt der nächste Titel an (Fade In)?
Ende, Pause und Anfang verbinden die einzelnen Lieder
Ende, Pause und Anfang verbinden die einzelnen Lieder

Pausen

Geht es nach dem RedBook und einfachen Brennprogrammen wie iTunes, ist die Frage nach den Pausenlängen schnell geklärt: jeder Titel erhält die selbe Pause von mindestens zwei Sekunden.

Was für einen Sampler oder selbst zusammengestellte Playlist sinnvoll erscheint, ist jedoch äußerst langweilig für ein konzeptioniertes Album. Ein Blick in die Werkzeugkiste der Dramaturgen und Rhetoriker offenbart Pausen als wirkungsvolles Stilmittel, die je nach Situation unterschiedlich lang ausfallen. So gibt es natürliche Pausen zum Atmen, Pausen um die Spannung zu erhöhen, Sinnes- und Denkpausen oder auch die Abwesenheit von Pausen, um das Tempo zu steigern.

Die genaue Umsetzung auf CD ist reine Bauchsache, bei der es nicht auf die zehntel Sekunde ankommt. Langsame Songs wie Balladen profitieren von längeren, trennenden Pausen, während das hohe Tempo am Höhepunkt durch fehlende oder sehr kurze Pausen verstärkt wird. Schauen wir auf andere Alben, finden wir alles zwischen 0 und 4 Sekunden.

Generell geht die Tendenz der Pausenlänge in Richtung Kürze. Schuld daran sind neben unserer rast- und ruhelosen Gesellschaft moderne Medien. Während früher Schallplatten und Kassetten ungemütliche Stille durch Knistern und Rauschen verhinderten, schweigt eine CD bei unhörbaren -96 dB und „Gapless Playback“ des MP3 Players oder Streams machen aus der Musiksammlung eine unterbrechungsfreie Dauerwiedergabe.

Wer dennoch etwas trickreiches Versuchen möchte, kann die absolute Stille auch ersetzen. Mit dem richtigen PQ-Editor lassen sich Pausen etwa mit Raumton oder anderen Gimmiks füllen. Mehr dazu findest du später beim Thema PQ-Coding.

Alle Titel mit der selben Pause? Nicht wirklich sinnvoll ...
Alle Titel mit der selben Pause? Nicht wirklich sinnvoll …

Fades

Was für einen Song als Single funktioniert, passt leider nicht immer den Kontext eines Albums. Fades am Anfang und Ende eines Tracks sind daher Sache des Mastering und sollten nicht bereits durch den Mix vorgegeben sein.

Besonders heikel sind Titel die nicht auf Schlag enden, sondern den Chorus endlos wiederholen oder einen lang angehaltenen Ton besitzen. Wie schnell oder langsam dieser verklingt, entscheidet der nächste Song zusammen mit der davor gesetzten Pause.

In der Wahl des Fades darfst du ruhig kreativ experimentieren und verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, selten ist der lineare Fade die beste Lösung. Moderne DAWs können zu diesem Zweck von S-Kurven über exponentielle Funktionen bis hin zur kompletten Freihandgestaltung jeden Wunsch erfüllen. Anstelle den Fade mit der Maus und grafisch per Auge einzufügen, solltest du jedoch vor allem deinen Ohren vertrauen und manuell nach Gefühl mit dem Fader arbeiten. Höre dabei auch auf kleine Details, manchmal ist es sogar erfrischend leise Geräusche der Studioatmosphäre stehen zu lassen.

Sollen sich zwei Lieder mit einem Crossfade überlappen, achte auf eine entsprechende Pegelabsenkung am Mittelpunkt, ansonsten kann es durch die Signaladdition zu Clipping kommen.

Wohin mit dem Fade, wie sieht er aus und wie lange ist die Pause?
Wohin mit dem Fade, wie sieht er aus und wie lange ist die Pause?

Fazit

Regeln oder immer gültige Erfahrungswerte für Pausen und Fades gibt es leider nicht. Am besten hörst du dir den Übergang zwischen zwei Titeln mit genügend Vor- und Nachlaufzeit an und vertraue deiner Intuition. Um den optimalen Startzeitpunkt des nächsten Titels zu finden, kannst du auch den Beat nach dem Fadeout in Gedanken weiter zählen und legst den neuen Song auf einen passenden Anfang.