Vinyl versus CD

Selbst 42 Jahre nach Einführung der Audio CD sind Vinyls weiterhin am Start und erleben regelmäßig ein kleines Comeback. Eingefleischte Fans schwören auf den warmen, besonderen und einzigartigen Klang – dabei verliert die Schallplatte im direkten technischen Vergleich in fast allen Bereichen …

Dynamikumfang

Mit etwas gutem Willen kann man der Vinyl eine nutzbare Dynamik von 60 dB zugestehen. Damit liegt sie im Bereich guter Bandmaschinen, aber Welten entfernt von modernen digitalen Medien. Mit 16 Bit bekommen wir auf CD eine theoretische Dynamik von 96 dB. Selbst wenn davon nur 90 dB nutzbar sind, bleiben immerhin fast 30 dB mehr Abstand vom Rauschen.

Praktisch gesehen spielt dieser Mehrwert bei typischen 18 dB und weniger Programmdynamik bei Pop und Rock natürlich nur eine untergeordnete Rolle, bei Klassik oder Filmmusik kann das Rauschen in leisen Passagen jedoch hörbar werden.

1:0 für die CD

Frequenzumfang

In Sachen Frequenzumfang muss sich die CD einer Vinly beugen. Diese geht sowohl tiefer herunter als auch höher hinaus. Nur hilft dies in der Praxis nichts:

  • Wird eine Vinylpressvorlage von einem CD-Master gezogen ist der Frequenzgang ebenfalls beschränkt
  • Die meisten Mikrofone sind im Frequenzumfang weit beschnittener als die Schallplatte, was nicht aufgenommen wurde kann auch nicht wiedergeben werden
  • Tonabnehmer, Player und die restlichen Komponenten müssen den kompletten Frequenzumfang unterstützen
  • Der Bassbereich wird aus mehreren Gründen gefiltert
  • Welchen Hörer interessieren schon 25 kHz, wenn er, wie die meisten Menschen, nicht mal mehr bis 17 kHz hört?

Null zu Null – unentschieden.

Kanaltrennung

Stereoplatten nutzen Flankenschrift, in der die beiden Kanäle 90° zueinander versetzt geschrieben sind. Was mathematisch zu einer perfekten Kanaltrennung führen sollte, endet in der Praxis meistens bei 30 dB. Eine CD kann über so etwas nur müde lächeln.

Punkt für die CD

Spielzeit

Eine absolute Spielzeitgrenze für Vinyl anzugeben ist unmöglich, da die Zeit von verschiedenen Faktoren wie Musikmaterial (Bassanteil) und gewünschtem Pegel abhängig ist. Während eine Audio CD mit mindestens 74 Minuten dahinplätschert, liegt die Standardspielzeit für eine 12“ LP bei 33,3 RPM bei ca. 24 Minuten, mit 45 RPM sind es nur noch ca. 12 Minuten. Je schneller desto besser wird die Qualität.

Zählt man noch lästiges Seitenwechseln dazu,
eindeutig ein Sieg für die Audio CD.

Haltbarkeit

Die schlechte Nachricht vorweg: nichts ist ewig haltbar. Gerade bei CDs weiß niemand wie lange der Datenträger abspielbar bleibt. Zwischen 10 und 500 Jahren sind die Schätzungen, je nach Lagerung und Qualität. Auch die Vinyl wird sich irgendwann in ihre Einzelteile auflösen … Wenn, dann muss man es wie Scientology machen, die mit zwei DMM Schneidemaschinen die Worte Hubbards für immer in Edelmetall konservieren …

Allerdings lassen sich von CDs jederzeit digitale Kopien ohne Qualitätsverlust erstellen. Und sollte es in 2.000 Jahren noch Abspielgeräte dafür geben, könnten CDs unsterblich werden.

Null Punkte für beide Produkte

Abnutzung

Zwar dauert es eine Weile, aber sie kommt schleichend: die Abnutzung von Schallplatten. Wer nicht gerade einen Laser Player sein eigen nennt, muss wohl damit leben, dass eine mechanische Abtastung bei jedem Durchgang das Klangbild verschlechtert.

Wieder ein Punkt für CD

Zusammenfassung

Zumindest aus technischer Sicht gibt es keine überzeugenden Argumente die Vinyl anderen Medien vorzuziehen. Allerdings ist dies bei Musik, einem emotionalem und künstlerischen Produkt nur ein Punkt von vielen. Die durchaus interessanten Klangveränderungen und der oftmals bewusste Vorgang des Auflegens und Hörens besitzen ihren besonderen Charm.