Funkdisziplin

funkdisziplin

Wer als Kind mit seinem Walkie-Talkie wild durch die Gegend gerannt ist, dem war es vermutlich egal ob er mit seinem Geplapper die gewählte Frequenz blockiert oder andere Personen den Funkverkehr mithören. Was beim anmeldefreien “Jedermannsfunks” mit seiner nur geringer Reichweite durchaus in Ordnung ist, sollte jedoch spätestens unter professionellen Bedingungen überdacht werden. Verlassen wir den PMR446-Bereich, in dem sich quasi vom Babyphone, über Darth-Vader-Walkie-Talkies bis hin zur Motorrad-Intercom alles mögliche und umögliche tummelt, heißt es Funkdisziplin wahren!

Regeln im Sprechfunkverkehr

Entgegen einem Telefonat, in dem mit glasklar Klangqualität selektiv eine Personen angerufen und auf einem getrennten Sende- und Empfangsweg (Vollduplex) kommuniziert wird, kann im herkömmlichen Funkverkehr immer nur einer Sprechen, während alle anderen Teilnehmer automatisch zuhören müssen, bis der Sender seine Taste losgelassen hat (Halbduplex). Innerhalb großer Organisationen wie der Feuerwehr und Polizei, bei Luft- und Schifffahrt,  im Amateurfunkbereich, aber auch bei Veranstaltungen in denen mehrere Dutzend Techniker, Sicherheitskräfte und andere Organisatoren sich zeitgleich wenige Kanäle teilen, gilt daher ein Art Leitfaden der das Miteinander im Äther regelt.

  • Sprich nur wenn es wichtig ist und sich die Nachricht nicht anders vermitteln lässt
  • Halte ein Gespräch so kurz und knapp wie nötig. Unterlasse Floskeln, redundante Inhalte und auch Höflichkeiten wie “Bitte” und “Danke”
  • Formuliere dein Anliegen klar, kurz, einfach und verständlich. Sprich langsam.
  • Auch wenn die Übertragung nach außen verschlüsselt ist, privates gehört nicht in den Funk, denn schließlich kann es jeder Teilnehmer hören
  • Erst Drücken – dann Sprechen. Am besten nach betätigen der Sendetaste kurz Schlucken oder Einatmen. Dies vermeidet abgeschnittene Satzanfänge.
  • Bestätige den Inhalt des Gesprächspartners durch Wiederholung und nicht alleine durch “Ok”
  • Überprüfe vor dem Senden ob der richtige Kanal eingestellt ist
  • Ist der Kanal bereits belegt, warte das Gespräch bis zum offziellen “Ende” ab
  • Gib der Gegenstelle genug Zeit für eine Antwort und wiederhole deine Anfrage frühestens nach 10 Sekunden.

Gesprächsablauf

Das eigentliche Gespräch folgt wiederum einem gewissen Aufbau:

  • Nenne zuerst die gewünschte Station oder Person die du sprechen möchtest,
  • dann folgt das Wort “für” oder “von”
  • und danach dein eigener Name
  • Das Ende der Anfrage bildet das Wort “kommen

Beispiele

Der Sender beginnt mit

  • Tom für Tony, kommen.
  • Haupttor für Sicherheitszentrale, kommen.
  • Tower für Flug 0815, kommen.

Die Gegenseite bestätigt entsprechend mit

  • Hier Tony, kommen.
  • Hier Sicherheitszentrale, kommen.
  • Hier Tower, kommen.

Danach verläuft das Gespräch unter den oben genannten Aspekten (kurz, verständlich, präzise, …) normal im Wechsel und schließt jeweils mit dem Wort “Kommen” ab. Am Ende übergibt man den Kanal wieder der Allgemeinheit durch das Zeichen “Ende“.

Beispiel

“Hardcore” Beispiel

Nach allen Regeln der Kunst würde eine kleine Anfrage in etwa so aussehen:

Sender Gegenstelle
Tom für Tony, kommen.
Hier Tony, kommen.
Benötige eine DI-Box, kommen.
Verstanden, du brauchst eine DI-Box, kommen.
2 Kanäle, passiv, kommen.
Nicht verstanden, wiederholen, kommen.
DI-Box, 2 Kanäle, passiv, kommen.
Verstanden, DI-Box, 2 Kanäle, passiv. Ende

Legeres Praxis Beispiel

Fernab der hochoffiziellen Funkkanäle, innerhalb kleiner Gruppen und Unternehmen, kann das ganze natürlich deutlich legerer ablaufen.

Sender Gegenstelle
Der Tom für denTony bitte.
Tony hört.
Benötige dringend eine DI-Box.
Eine DI-Box, ok. Sonst noch was?
2 Kanäle, passiv.
Nicht verstanden, bitte wiederholen.
DI-Box, 2 Kanäle, passiv.
Ok, kommt gleich.

Fazit

Die Regeln im Funkverkehr erscheinen im ersten Moment eventuell altmodisch und spießig, sorgen jedoch für klare und faire Kommunikationsverläufe, so dass sie auch im kleinen Maßstab und unter wenig “offiziellen” Bedingungen zum Einsatz kommen sollten. Wer sie ignoriert, verärgert und nervt nicht nur die anderen Teilnehmer, sondern verhindert eventuell auch, dass wichtige Informationen zeitnah den richten Empfänger erreichen.