Der Mischer ist (nicht) schuld

Zu laut, zu leise, zu wenig Bass, zu viele Höhen, Feeback, der Sound klingt schlecht, das Publikum ist enttäuscht und die Musiker sauer…

Ja zugegeben, in der Tonzunft arbeiten leider auch manche Techniker denen man besser die Misch- und Arbeitslizenz entziehen sollte, doch in vielen Fällen sind die Probleme auf ganz andere Dinge zurückzuführen. Hier die Top 7 Wünsche eines jeden FOH-Mischers:

Liebe Musiker …

Nein, der Soundcheck ist keine Probe in der ihr noch schnell ein neues Stück einstudieren könnt, er soll schnell und geordnet über die Bühne gehen. Gerade bei Zeitmangel wäre es schön, wenn jeder nur dann spielt, wenn er dazu aufgefordert wird. Neue Saiten aufziehen, Stimmen und Warmmachübungen gehören als Vorbereitung ins Backstage.

Wir lieben laute Musik, jedoch nur solange sie durch die PA erschallt. Ist eure Backline lauter als das Frontsystem nehmt ihr uns jede Möglichkeit den Klang zu gestalten. In Folge bleiben alle Fader außer Kick und Gesang unten und das Publikum genießt den ungefilterten Klangbrei eurer Instrumente. Daher bitte, bitte reduziert eure Lautstärke an den Verstärkern und spielt ein bisschen leiser. Gerade in kleinen Clubkellern ist Zurückhaltung essenziell und dank Rods und anderer Dämpfern gibt es auch für akustische Instrumente keine Ausreden.

Mischpulte sind weder allmächtige Geheimwaffen noch Klärwerke sondern schlicht Linearverstärker mit minimalen Anpassungsmöglichkeiten. In weniger technischen Worten: „Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus“. Ein gutes Instrument, ein ordentlicher Verstärker und die Fähigkeit beides zu benutzten sind essenzielle Voraussetzung damit der Techniker damit arbeiten kann.

Ein anderes heikles Thema ist das Monitoring. Dank Sparmaßnahmen ist der Klang der Boxen oft bescheiden, die gewünschte Lautstärke wird nie erreicht und unfähige FOH Techniker verbocken eine nutzbare Mischung. Warum nehmt ihr so was auf euch und kauft nicht ein In Ear System? Ein kleiner Mixer, eine Split Box und für jeden Musiker einen Knopf ins Ohr – fertig ist der persönliche Musikmix. Muss auch gar nicht teuer sein und einmal dran gewöhnt entstehen allen Beteiligten nur Vorteile.

Habt ihr besondere Wünsche, so kommuniziert diese bitte ein paar Tage im Vorfeld und nicht erst fünf Minuten vor dem Auftritt. Ein aktueller Rider & Stage Plan wäre schön, sowie Verständnis dass die Kriegskasse der meisten Veranstalter leider nicht jeden Mikrofon/Boxen/Luxus-Wunsch erfüllen kann.

Ein paar ganz besondere Worte gehen an den wichtigsten Mann der Band, oder zumindest einen der sich gerne dafür hält. Ja lieber Gitarrist du bist gemeint. Objektiv gesehen handelt es sich bei der Gitarre nur um eines von vielen Instrumenten das sich harmonisch in die Gruppe einfügt und genau das sollte sich auch im Sound widerspiegeln. Bässe gehören dem Bass und in den Mitten bleibt Platz für den Sänger. Wenn allerdings der 4x12er auf Dauer-Soli-Sound in voller Bandbreite durch den Raum sägt … dann gute Nacht.

Und zu guter Letzt, wir Tontechniker arbeiten mit euch und nicht für euch, denn nur zusammen kann ein großartiges Konzert gelingen. Zudem besitzen wir Namen, benötigen Pausen, freuen uns über Lob, aber hören bei ner gemeinsamen Flasche Bier auch gerne konstruktive Kritik, wenn’s mal nicht so gut gelaufen ist.

Danke 🙂