In Ear Monitoring

Jenseits der großen Produktionen, sieht man sie leider immer noch viel zu selten: In-Ohr Monitor Systeme. Dabei gibt es, außer einem zu kleinen Geldbeutel, eigentlich keinen vernünftigen Grund ein herkömmliches Monitorsystem den Knöpfen im Ohr vorziehen.

Zu den unschlagbaren Vorteilen gehören:

  • Verbesserter Klang auf der Bühne und im Zuschauerbereich, da ohne Monitorboxen auch kein „Lärm“ den Sound aus der PA überlagern kann. Gerade in kleinen Locations kann dies entscheidend sein
  • Höhere Pegelfestigkeit der Mikrofone, da verringerte Feedbackgefahr
  • Die Mischung kann für jeden Musiker noch individueller und besser gestaltet werden, die Klangqualität übersteigt die Wiedergabe herkömmlicher Boxen üblicherweise bei weitem.
  • Die In-Ears und Kopfhörer wirken zeitgleich als Gehörschutz und sorgen so für ein langes, gesundes Tourleben
  • Das Monitoring ist unabhängig vom Raum, das einmal eingestellte Setup klingt überall gleich und ist in kürzester Zeit auf- und abgebaut.

Der einzig wirklich negative Punkt ist neben einem zu geringen Coolnessfaktor die Tatsache, dass durch Kopfhörer natürlich auch eine gewisse Abgeschlossenheit gegenüber der Umwelt entsteht. Dies mag nicht jeder, lässt sich aber einfach umgehen. Während die einen einfach nur mit einem Knopf im Ohr spielen, mischen andere zusätzliche Atmo-Mikrofone hinzu.

Darauf kommts an

Zu allererst brauchen wir eine Grundsatzentscheidung: Kabelgebunden oder Drahtlos?

Während ersteres quasi einen einfachen regelbaren Kopfhörerverstärker mit XLR-Eingang darstellt und unseren Geldbeutel ab etwa 50 Euro belastet, bieten Funkstrecken natürlich die maximale Bewegungsfreiheit. Dies ist für Sänger und rumhopsende Gitarristen entsprechend wichtiger als für Schlagzeug und Keyboard, die sich selten von ihrem Platz wegbewegen und auch mit einem Kabel am Körper leben können.

Hast du dich für ein Drahtlossystem entschieden, solltest du herausfinden wie viele Geräte gleichzeitig nutzbar sind. Wäre extrem unpraktisch, wenn man zu fünft auf der Bühne steht, die Anlage aber maximal vier Geräte gleichzeitig unterstützt… Auch die Kompatibilität mit den vorhandenen Funkmikrofonen sollte überprüft werden, nicht dass diese den Einsatz weiter limitieren.

Als nächsten liegt unser Augenmerk auf dem hoffentlich vorhandenen Limiter. Ohne diesen sollte man sich niemals einen Stöpsel ins Ohr stecken. Der eingebaute Begrenzer schützen vor kurzen Pegelspitzen und fast noch wichtiger vor Fehlbedienungen des Monitormischers. Einmal kurz am AUX-Weg ausgerutscht hinterlässt der Lautsprecher wenige Zentimeter vor dem Trommelfell deutlich mehr Spuren als selbiger Fauxpas über eine Monitorbox. Wobei auch letzteres nicht wirklich angenehm ist.

Fast alle Systeme senden mittlerweile 2-kanalig. Dies ist vor allem dann vorteilhaft, wenn wir dies gar nicht als klassische Stereo-Mischung verwendet, sondern aus zwei Kanälen eine eigene Mischung kreieren. Zum Beispiel Kanal 1 – sich selbst, Kanal 2 – der Rest. Oder Kanal 1 Summe – Kanal 2 Klick. Hört man sich selbst oder den Klick zu leise, reicht eine kleine Korrektur direkt am Beltpack ohne jedes mal ans Mischpult zu rennen.

Wo Funk im Spiel ist, rauscht es natürlich auch immer gerne – je günstiger desto mehr. Dies fällt aber meist nur in Ruhepausen auf, bei vollem Pegel geht es schnell unter. Ebenfalls kann der Wechsel von Stereo auf Mono das Rauschen reduzieren.

Gute Sender und Empfänger sind aber nur die halbe Miete. Ebenfalls wichtig sind die verwendeten Kopfhörer. Diese gibt es als 1, 2 oder auch 3-Wege System, als normale oder angepasste Version, welche besser oder schlechter die Umgebungsgeräusche dämpfen und auch Systeme, die sich an bereits vorhandenem Gehörschutz anstelle der Filter verwenden lassen. Da Klangwunsch und Hörgewohnheit bei jedem stark unterschiedlich ausfallen, hilft hier nur testen und ausprobieren. Fehlende Bässe oder zu spitze Höhen machen den Dauergenuss auf der Bühne zum ermüdenden Dauerfrust.

Hardware

Am oberen Ende der Preisskala tummeln sich bekannte Marken wie Sennheiser und Shure, die auch für ihre guten Drahtlos-Mikrofonanlagen bekannt sind. Für bis zu 1.000 Euro (pro Sendestrecke) darf man hier natürlich allen erdenklichen Luxus und Schnickschnack erwarten, vom eingebauten EQ und Limiter über Autoscanfunktionen und LAN-Schnittstelle zur Systemkonfiguration. Auch nicht von schlechten Eltern ist das IVM 4 von AKG das sogar über eine eingebaute Raumsimulation verfügt und sich per iPhone fernsteuern lässt.