Lärm als Gefahrenquelle

Sowohl im Alltag auch im Beruf sind wir täglich Schallemissionen aussetzt, die langsam aber sicher an Niedergang unseres Gehörs arbeiten. Ein verantwortungsvoller Umgang und Schutz bei hohen Lautstärkepegeln ist somit eine notwendige wie auch sinnvolle Angelegenheit, selbst wenn sich dieses Thema nicht der größten Beliebtheit erfreut…

Ab wann wird es kritisch?

Generell ist alles über 80 dB Schalldruck wenig zuträglich für unsere Ohren, insgesamt kommt es aber darauf an, wie lange, wie laut und in welcher Frequenz sich das Schallereignis abspielt. Für die Kombination von Lautstärke und Schalldauer können wir auf Studien zurückgreifen, welche die einigermaßen ungefährlichen Einwirkzeiten des Lärms, die Expositionszeit, angeben:

SchallpegelMaximale Zeit am Tag
85 dB8 h
88 dB4 h
91 dB2 h
94 dB1 h
97 dB30 min
100 dB15 min

Ein Blick auf die Tabelle zeigt, wie nur wenige Dezibel deutlich kürzere Expositionszeiten bewirken. Die Faustregel hier für lautet: 3dB mehr = Hälfte der Zeit. Zudem darf an keinem Tag, an dem wir uns der maximalen Einwirkzeit genähert haben, eine andere Belastung über 85 dB liegen.

Lärm zählt zu den größten Gesundheitsrisiken in unserer mobilen Gesellschaft.

Leider ist diese Studie jedoch kein Freibrief für täglich ungetrübten Musikgenus bei hohen Pegeln, auch wenn die Grenzwerte und Zeiten strikt eingehalten werden. Über lange Zeiträume betrachtet (Jahre, Jahrzehnte) sammeln sich alle Schallereignisse an und entweder kommt die Quittung schleichend oder unerwartet von einem Tag auf den anderen.

Wenig dB = viel Wirkung

Nun klingt eine Zunahme des Pegels von 80 dB auf 90 dB in Zahlen wenig beeindruckend und gefühlt ist eine Steigerung von +10 dB Luftschalldruck „nur“ eine Verdopplung der Lautstärke. Die Belastung des Gehörs steigt jedoch zeitgleich um den Faktor 10!

  • Minimal lauter: +1 dB, kaum Auswirkungen, kaum Wahrnehmbar
  • etwas lauter: +3 dB, Verdoppelung der Belastung
  • deutlich lauter: +6 dB, Vervierfachung der Belastung
  • doppelt so laut: +10 dB, zehnfache Belastung

Der Wunsch nach „mach mal etwas lauter“ kann ab einem gewissen Grundpegel fatale Folgen nach sich ziehen.

Pegel bei Musikinstrumenten

Schon gewusst, dass wir von der eigenen Stimme taub werden können? Professionelle Sänger erreichen Pegel von bis zu 110 dB, im Durchschnitt immerhin bis zu 95 dB. Und da unsere eigenen Ohren dem Mund am nächsten sind, bekommen sie den „Lärm“ ungemindert ab.

Auch Instrumente, die im ersten Moment leise erscheinen – dies am Ohr des jeweiligen Musikers jedoch eindeutig nicht sind – können mit der Zeit Spuren hinterlassen. Bei natürlichen Instrumenten schneiden Bass-, Klavier- und Harfespieler mit durchschnittlichen 80 dB am besten ab. Unvorteilhaft sind hingegen Holzbläser, das Schlagwerk und die Blechbläser. Im Mittel sind hier 95 dB zu erwarten und Spitzenpegel von über 110 dB.

Pegel bei künstlichen Schallquellen

Gute Beschallungsanlagen brauchen sich hinter Presslufthämmern und Raketentriebwerken nicht zu verstecken. Schon 1994 stand die Band Manowar mit 130 dB auf der Bühne … nach unserer Tabelle eine empfohlene Konzertaufenthaltsdauer von nur wenigen Sekunden. Aber auch in alltagsnahen Situationen ist es selten besser. Ein Kopfhörer erzeugt dicht am Ohr spielend 120 dB, der 2 Meter entfernte Monitor des Musikers 110 dB, und wenn am FOH Platz des Technikers 95 dB gemessen werden, welcher Pegel muss dann in der ersten Reihe direkt vor der PA herrschen?

Sonstige Pegel

Großstadtlärm ist zwar eher psychologisch als körperlich gefährlich, dennoch ist es erstaunlich wie hoch (über 70 dB) dieser in Spitzenzeiten klettern kann. Eine andere unterschätzte Gefahrenquelle heißt Motorrad- und Autofahren. Wer nicht gerade in der S-Klasse unterwegs ist, sondern im gut gebrauchten Mittelklassewagen hat spätestens ab 120 km/h bedenkliche Innenraumpegel. Sind zusätzlich die Fenster geöffnet, ergeben sich auch bei langsamere Fahrt eindeutige „Grenzwertüberschreitungen“. Dazu kommt der Klassiker mit der Stereoanlage den Straßenlärm zu übertönen.

Wer es als Musiker oder Tontechniker ernst meint, sollte daher gerade an Tagen mit Liveauftritten oder Studioaufnahmen auf zusätzliche Belastungen verzichten und mit Stöpseln im Ohr anreisen. Neben der Minderung möglicher körperlicher Schäden, bleiben so unsere Ohren frisch und sind für das Kommende noch nicht überlastet.

Verhaltensregeln

Bei Lärm ist es wie mit der Raucherlunge: zunächst spüren wir nichts, daher machen wir munter weiter, aber die Rechnung kommt … irgendwann.

  • Benutze Deinen gesunden Menschenverstand!
  • Versuche (Dauer-)belastungen über 80 dB zu vermeiden
  • Entscheide Dich für Gehörschutz jetzt oder Hörgerät später
  • Gönne Deinen Ohren nach einem Konzert, Proben oder sonstigen kurzzeitigen Lärmeinwirkungen Ruhe. Ruhe bedeutet 10-20 Stunden deutlich unterhalb von 80 dB!
  • Besuche den interaktiven Lärmworkshop.

Alles weitere findest du ausführlich in der 85 seitige Broschüre des Bundesamts für Arbeitschutz (BAuA).