Finger weg vom Solo Knopf

Jeder hat Ihn, jeder verwendet Ihn, doch eigentlich ist er reines Teufelszeugs und eine Gefahr für den Mixdown: der kleine, unschuldig aussehende Solo Knopf in den Spuren des Sequenzers. Aber was genau ist an diesem eigentlich doch praktischen Tool so destruktiv?

Falsche Arbeitsweise

Mit welchem Instrument beginnen wir beim Mixdown? Natürlich mit dem Schlagzeug1und daher erstmal solo in die Kick hinein gehört. Hier ein bisschen am EQ gedreht, toll komprimiert bis es in der Magengrube schiebt und einen die Freudentränchen in die Augen treibt. Klingt das Instrument perfekt, springen wir mit Solo weiter zur Snare, Solo zur ersten Tom und immer weiter, bis wir alle Instrumente in isolierter Hörweise nach unseren Wünschen aufgeblasen haben.

Diese Vorgehensweise klingt im ersten Moment durchaus sinnvoll, schließlich können wir die einzelnen Instrumente Solo am besten “betrachten” und klanglich optimieren. Doch was passiert wenn wir nun zum ersten mal in den kompletten Mix hinein hören?

Die eigentlich tollen Einzelspuren behindern sich gegenseitig, manche Instrumente gehen unter und allgemein wirkt die Mischung platt und vollgestopft. Viele der vorgenommenen Klangentscheidungen könne wir direkt revidieren oder sogar ins Gegenteil umkehren.

Mixdown ist kein Solosport

Natürlich sind gute Einzelsignale als Grundlage äußerst wichtig, für die perfekte Mischung ist jedoch das Zusammenspiel entscheidend. Außer uns Tontechnikern wird nie wieder jemand die Chance bekommen in einzelne Spuren zu hören, da macht es auch nichts, wenn die Gitarren oder die Vocals solo komisch klingen, solange das Ergebnis in der Summe überzeugt.

Tatsächlich können wir die einzelnen Instrumente nur ins Gesamtbild einpassen, wenn wir sie mit allen Wechselwirkungen der anderen Spuren wahrnehmen. Die am Ende notwendigen Einstellungen mögen vielleicht komisch oder extrem sein, aber so lange es klingt, ist alles erlaubt.

Ein hervorragendes Beispiel für “Summe toll – Solo pfui” sind akustische Gitarren. Um diese in einen vollen Mix zu integrieren müssen wir oftmals auf den kompletten Bass bis hoch in den Mittenbereich verzichten. Solo klingen sie damit grauenhaft, in der Summe erfüllen sie jedoch perfekt ihren Zweck

Du darfst ihn drücken

Natürlich hat auch der Solo Knopf seine Berechtigung, aber primär zur technischen Kontrolle. Ist die Qualität der einzelnen Spuren wirklich ausreichen? Befindet sich auf dem Instrument etwa noch Rauschen, ungewollte Nebengeräusche oder Frequenzanteile die wir besser entfernen sollten?

Mit Solo stellen wir die Schwachpunkte und kritische Stellen in den Fokus und können Einzelsignale genauestens Analysieren – die eigentliche, kreative Bearbeitung erfolgt jedoch alleine im Mix.

  1. diese Aussage ist natürlich gelogen!