Wie lang ist “ein Tag”?

Je nach Teilbereich der Branche eignen sich unterschiedliche Methoden den Preis und die Länge für eine Dienstleistung festzulegen.

Manche Tätigkeiten, etwa eine Mastering Session, dauern fast immer gleich lang und lassen sich als vorher berechnete Pauschalen verkaufen. Für andere Leistungen sind hingegen Stundenpreise eine vernünftige Einheit und im Livebereich sind aufgrund der langen Arbeitszeiten “Tagessätze” eine gute Option.

Gerade wenn ein Job weitere Tätigkeiten blockiert, sind Pauschalen für den kompletten Tag die ideale Wahl. Entgegen einem Webdesigner der bei freier Zeiteinteilung für mehrere Kunden gleichzeitig von zu Hause aus arbeiten kann, sind wir Tontechniker oft an feste Zeiten und Orte gebunden. Ob die Tätigkeit dann 6 oder 10 Stunden dauert ist egal, da kein andere Kunde zusätzlich bedient werden kann.

Anders formuliert sind Tagessätze (auch Personentage genannt) Pauschalen für eine beliebige Tätigkeit, die eine maximale Gesamtzeit jedoch nicht überschreiten darf.

Wunsch

Ein Blick auf das Arbeitszeitgesetz Paragraph 3 verrät: die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten, in Ausnahmefällen dürfen es auch zehn sein. Dafür ist aber ein entsprechender Ausgleich auf zeitlicher oder finanzieller Basis vorgeschrieben.

Realität

Wer nun denkt, dass mach ich als Selbstständiger auch, wird von vielen Kunden nur ein unverständliches Lächeln ernten. Zum einen gilt das Arbeitszeitgesetz nur für Angestellte, zum anderen ruft der Auftraggeber immer den “Ausnahmefall” aus. 10 Stunden und mehr ist die bestimmende Norm, dazu natürlich noch die An- und Abfahrt, so dass öfters gemütliche 12-16 Stunden Tage entstehen.

Sehr schön sind auch verlockende Angebote nach dem “All You Can Work” Prinzip. Die Show geht von 8 bis 18 Uhr, also vielleicht auch deutlich länger, Auf- und Abbau davor und danach und natürlich kann leider nicht mehr als ein Tagessatz gezahlt werden. Das ganze ohne jeden Verhandlungsspielraum, nimm den Job, oder ein anderer macht’s.

Der wirklich ernst gemeinte Tipp an dieser Stelle ist: lehnen solche Jobs ab. Du tust weder dir, noch der Branche damit einen gefallen. Fixiere Angebote auch immer schriftlich und stelle klar deine Arbeitsbedingungen heraus: wie lang wird maximal gearbeitet, was kosten Überstunden, … nur so lässt sich im Zweifel eine angemessene Vergütung einfordern. Aber dass selbst dies nicht immer funktioniert, sehen wir im nächsten Beitrag zum “Problemfall Überstunden”.