Problemfall Überstunden

Die Band ist noch fleißig am Rocken, du schaust auf die Uhr und stellst entzückt fest: Feierabend! Die vereinbarten 8 Stunden des Tagessatzes sind so eben abgelaufen. Also schnell die Anlage runter fahren, das Tonpult resetten,  … ach ne da war doch noch was, die Band! Da wir in solchen Situationen schlecht den Hammer (Fader) fallen lassen können und einfach gehen, müssen wir wohl oder übel ein paar Überstunden schieben…

Wunsch

Theoretisch kannst du für eine Überstunde beziehungsweise Mehrarbeit einen beliebigen Preis verlangen: 100% Zuschlag zum Tagessatz, 50 Euro pro Angefangene Stunde oder sonst einen Betrag, für den es dir Wert erscheint, noch mehr von deiner knappen Freizeit zu opfern.

Als Leitfaden bietet sich natürlich zunächst der Quasistandard der Branche an, der bei 1/10 Tagessatz pro angefangener Überstunde liegt. Bei 300 Euro sind dies also 30 weitere Euro für jede Stunde die das vereinbarte Limit überschreitet.

Da bereits 8 Stunden Dauerarbeit eine enorme Belastung darstellen, sollten Überstunden durchaus noch etwas höher angesetzt werden. So empfiehlt die Berufsvereinigung für Filmton beispielsweise einen Extrazuschlag von: 25% für 1.-2. Stunden, 50% ab der 3. Stunde und 100% ab der 4. Stunde.

Realität

Um überhaupt in den Genuss bezahlter Überstunden zu kommen, sollten wir dies klar und deutlich im voraus mit dem Kunden klären. Nachträgliches Verhandeln führt sonst meist zu:

  • “Tut mir Leid, das war so nicht geplant, ich kann es dem Kunden auch nicht weiter verrechnen, das ist nicht mehr im Budget drin”
  • “Ach das bisschen Überstunden … deswegen willst du doch nun nicht rummachen?”
  • “Ich kann sie dir diesmal ausnahmsweise auszahlen, ob wir dich dann jedoch wieder buchen können …”
  • “Wie wo was?! Das ist doch bereits in deiner Arbeitspauschale alles drin!”
  • “Überstunden gehen ok, allerdings zahlen wir dafür maximal 10 Euro die Stunde”

In anderen Worte: oft arbeiten wir länger als geplant und bekommen dafür keinen Cent mehr.

Minderstunden und Ausgleichsarbeit

Besonders beliebt ist ebenfalls folgende Argumentation: “Du hattest doch letzte Woche einen Job bei uns der nur 5 Stunden ging. Seh das als fairen Ausgleich. Ansonsten müssten wir ab sofort bei Minderstunden Abzüge vom Tagessatz machen”.

Doch kann ein 16 Stunden Tag, an dem man nur noch völlig kaputt zu Hause ins Bett fällt tatsächlich mit so etwas verrechnet werden? Wohl eher nicht und es soll es auch nicht unser Problem sein, wenn ein Job kürzer als erwartet ausfällt. Schließlich werden wir für die Erfüllung einer bestimmten Aufgabe gebucht und nicht um eine “Dienstzeit” abzuleisten. Wie schnell wir diese Aufgabe erledigen ist dabei allein uns überlassen. Die Limitierung der maximalen Stunden pro Tag dient lediglich als Schutz. Wenn der Kunde so etwas nicht möchte, sollte er besser direkt auf eine stundengenaue Abrechnung bestehen.