PA einmessen – Part 2

Mit Rosa Rauschen und etwas Musik kommt man bereits recht schnell und einfach zu einer klanglichen Verbesserung. Doch Freunde des offenen Geldbeutels geben sich mit eigenen Ohren und billigen Handanalyzern erst gar nicht ab und investieren in mehrere tausend Euro teure professionelle Messtechnik. Dazu gehört ein Laptop mit hochwertigem Interface, ein Messmikrofon und eine Software wie SATLive, MLSSA, SpectraFoo oder SMAART.

Das komplette System lässt sich entweder als überteuerter Realtime Analyzer verwenden oder wir greifen auf eine der speziell entwickelten Sonderfunktionen zurück. Anstelle von Rauschen oder Gedudel, erzeugen nun Messimpulse und Sinussweeps in Sekunden alle wichtigen Informationen über Delay, Frequenz, Phase oder Kohärenz. Perfekt um Delay-Lines einzustellen, die ideale Übergangsfrequenz von Bässen zu den Tops zu finden oder bei Festinstallationen das letzte bisschen an Qualität heraus zu kitzeln.

Ohne eine passende Schulung oder sehr viel Zeit zum einlernen und experimentieren geht es jedoch nicht. Dass die Hersteller teils zweitägige Workshops zu ihren Produkten anbieten, zeigt dass zur Technik auch einiges an Wissen gehört, damit am Ende ein gutes Ergebnis aus der Box erschallt.

Einmessen mit SMAART
Einmessen mit SMAART

Zusatztools

Genau betrachtet hört das “Einmessen” nicht beim EQ auf, sondern fängt damit erst an. Wer möchte kann mit systemeignen Controllern und externen PA-Management-Einheiten wie dem DBX DrivePack oder Behringer Ultradrive noch weitere Einstellungen manipulieren. Dynamische Kompression, Limitierung, Crossoverfrequenzen von Sub zu Top, Zeiten für Delaylines … Wenn es die Qualität erfordert, kann es durchaus mehrere Stunden dauern bis das Beschallungsystem optimal eingestellt ist.

 Eine d&b Endstufe kann mehr als nur Laut und Leise
Eine d&b Endstufe kann mehr als nur Laut und Leise

Most Common Mistakes

Plane vor dem Aufbau

Jede Location ist anders und benötigt eine angepasste Beschallungsanlage. Die Anzahl und Art der Boxen, die richtige Position und mögliche Problemzonen lassen sich vorab mit dem entsprechenden Tool des Herstellers berechnen und virtualisieren.

Kurvenästhetik

Nach dem Motto, nur was gut ausschaut kann auch gut klingen, konzentrieren sich manche beim Einstellen der Kurven auf einen schönen grafischen Verlauf. Dies ist natürlich völliger Quatsch, ein optimales Setup kann durchaus wild und “unkonventionell” aussehen.

Synchronität

Egal ob die Beschallung in Stereo oder Mono stattfindet, es gibt keine Vorschrift beide Kanäle gleich einzustellen. Jede Lautsprecherseite wirkt sich anders auf den Raum aus und muss theoretisch gesondert behandelt werden. Der Einfachheit halber schenkt man sich gerne diesen Schritt – besser wäre er aber.

LowCut per Slider

Eine andere Unart ist die Fader der Bassbänder als LowCut zu missbrauchen. Klar funktioniert’s, resultiert jedoch in den üblichen Phasenverschiebungen. Besser ist ein richtiger LowCut oder Low Shelf Filter.

LowCut mit einem Grafischen EQ? Teufelszeug!
LowCut mit einem Grafischen EQ? Teufelszeug!

Es soll überall gut klingen

Dieser Wunsch ist leider ein Ding der Unmöglichkeit. Die komplexe Akustik eines Raumes lässt sich leider nur bedingt mit dem Equalizer zurecht biegen und ab einem gewissen Punkt setzt uns die Physik harte Grenzen. In der Praxis versuchen wir daher wenigstens die wichtigen Bereiche (zum Beispiel die Tanzfläche) zu optimieren und je weiter wir uns davon entfernen, darf der Sound auch schlechter werden. Das Optimieren einer PA beginnt übrigens schon weit vor dem EQ, mit gewissenhaft ausgewählten Komponenten und einer optimalen Aufstellung.