PA einmessen – Part 1

Die PA ist fertig aufgebaut, wir werfen unseren MP3-Player an und stellen fest – es klingt erbärmlich. Garstige Mitten, schrille Höhen und von den Bässen fehlt jede Spur. Was ist passiert, bisher war doch immer alles gut?

Nachdem sich weder die Lautsprechern oder andere Komponenten geändert haben, bleibt alleine die Raumakustik als schuldiges Element, doch diese lässt sich ohne aufwändige Baumaßnahmen selten verbessern. Mit etwas Glück können wir jedoch den Klang der Anlage an die neue Örtlichkeit anpassen und zumindest die wichtigsten Bereiche mit einem ordentlichen Sound beschallen.

 Weniger als ein 31 Band EQ sollte es wirklich nicht sein
Weniger als ein 31 Band EQ sollte es wirklich nicht sein

Methode I – Musik hören

Für die technisch einfachste und eigentlich auch beste Methode benötigen wir allein unsere Lauschlöffel sowie ein paar unserer Lieblingslieder aus der Konserve. Während wir die wichtigsten Positionen im Raum ablaufen, plätschern diese fröhlich vor sich hin und verraten uns dabei die akustischen Schwächen. Die gefundenen Problemzonen korrigieren wir anschließend mit Hilfe eines Equaliziers, bis ein grundlegend angenehmes, ausgewogenes und druckvolles Klangbild entsteht.

  1. Die Tonanlage unter Berücksichtigung Raumakustischer Problemzonen optimal aufbauen
  2. Vertraute Musik abspielen und im Raum beurteilen
  3. In der Summe mit einem grafischen oder besser parametrischen EQ die gehörten Defizite ausgleichen
Nach Gehör so lange am Summen-EQ drehen bis die Referenz gut klingt
Nach Gehör so lange am Summen-EQ drehen bis die Referenz gut klingt

Was sich leicht schreibt, erfordert in der Praxis natürlich etwas Erfahrung, schließlich muss der gehörte Mangel in die korrekten Frequenzen umgesetzt werden. Wer mehr rät, als wirklich weiß was er tut, wird das Ganze vermutlich zunächst eher “verschlimmbessern”.

Um einzelne Frequenzbereiche einfacher anzupassen, können abgestimmte Lieder helfen. Song 1 sorgt für ordentliche Bässe, Song 2 kümmert sich um die Mitten, der Dritte um den Sprachbereich, nasale Laute oder Höhen, … Die tatsächliche Musikrichtung ist dabei völlig nebensächlich, wobei es natürlich praktischer (und für die eigene Gesundheit besser) ist, ein Metal Festivals mit Metal einzumessen und nicht mit Volksmusik.

Erwarte keine Wunder! Viele klangliche Probleme lassen sich nur minimal verbessern, funktionieren nur an bestimmten Positionen im Raum, oder die getroffenen positiven Änderungen sorgen für andere Nebenwirkungen.

Methode II – Einrauschen

Ergänzend zu Methode I ersetzen wir unsere Referenzsongs zunächst mit einem Rosa Rauschen und versuchen den linearen Frequenzgang dieses Signals über die ebenfalls linearen Lautsprecher auf den Raum zu übertragen. Dies stellt zumindest in der Theorie eine neutrale Ausgangsbasis für jeden beliebigen Input dar.

  1. Per Tone Generator ein Rosa Rauschen auf die Anlage geben
  2. Die wichtigen Positionen im Raum anhören oder mit einem Messmikrofon versehen
  3. Abweichungen im Frequenzgang mit dem Equalizer plattbügeln
  4. Mit Musik kontrollhören und Einstellungen feinjustieren

Während so manch ein Techniker Rauschen tatsächlich nach Gehör einstellen kann, greift das ungeübte Ohr lieber auf einen Analyzer als Hilfsmittel zurück. In der unteren Preiskategorie mit noch erschwinglichen 400 Euro ist dabei der Phonic PAA3 ein bewährtes Tool und zeigt auf 31 Bändern zuverlässig Überhöhungen und Löcher im Frequenzbild. Alternativ kommt natürlich ein entsprechend ausgestattetes Smartphone in Betracht. Die Profivariante wäre hier SignalScopePro von FaberAcoustical in Verbindungen mit einem Messmikrofon wie dem MicW i436.

 Screenshot eines RTAs fürs Smartphone
Screenshot eines RTAs fürs Smartphone
  • Kontrolliere und optimiere vor dem Einmessen zuerst die perfekte Positionierung und Ausrichtung der Anlage und versuche die Raumakustik mit zum Beispiel Molton zu verbessern.
  • Füllt oder leert sich der Raum mit Personen oder Gegenständen wird sich der Klang nochmals verändern.
  • Eine andere Lautstärke benötigt jeweils ein eigenes EQing, da sich sowohl die Beeinflussung durch den Raum, als auch die Wahrnehmung unseres Gehörs verändert.
  • Verwende wenn möglich parametrische Equalizer anstelle von grafischen Geräten.