Mastering Mythen II – 13db Audio Knowledge
Mastering Mythen II

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Ein Song ist erst fertig, wenn er gemastert wurde

Recording, Mixdown, Mastern. Recording, Mixdown, Mastern. Rec … wie in einem Mantra stehen diese drei Begriffe für eine vollständige Audioproduktion. Dabei gab es auch Zeiten in denen auf Mischung und Mastering komplett verzichtet wurde und dennoch wundervolle Lieder das Licht der Welt erblickten.

Dank Zeitmangel, Kostendruck und Unwissenheit vergessen wir gerne, dass eigentlich die Aufnahme der wichtigste und klangprägendste Schritt ist. Meistern wir diesen Part mit Bravour, ist der Mix eine einfache Sache und Mastering nahezu vernachlässigbar. Gerade Bands die eine Teilnahme am internationalen Loudness War verweigern, betreiben Mastering lediglich in sehr sanfter Form und sind dennoch sehr Erfolgreich.

Bauernregel: Manchmal sollten wir einfach mit dem zufrieden sein, was wir bereits haben.

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Ein Master klingt immer besser

Wer seine Lieder ans Mastering Studio schickt, erwartet sie in deutlich verbesserter Form zurück und wird dabei selten enttäuscht. Alles ist lauter, fetter, druckvoller, wärmer und schöner geworden, jeder investierte Cent scheint sein Geld wert zu sein.

Streng genommen ist dies weder ein Wunder noch hohe Kunst, sondern eine einfache Folgerung. Ein fertiger Mix ohne zusätzliche Effekte auf der Summe ist dem hochkomprimierten, lauten und klangoptimierten Master immer unterlegen. Würde man dem Mix Engineer freie Hand gewähren, wäre der Vergleich zum Master nahezu enttäuschend.

Unter Umständen klingt ein Master sogar schlechter ohne dass wir es im ersten Moment bemerken. Hohe Lautheit täuscht über misslungene Bearbeitungen hinweg und simuliert eine Qualität die so nicht existiert. Um Kunden zu beeindrucken reicht allein eine Lautheitssteigerung um 2-3 dB und der Unterschied ist gewaltig.

Selbsterkenntnis: Falls du nach dem Mischen nur noch im Mastering dein Seelenheil zu finden glaubst, solltest du dich selbst feuern und jemand anderes mischen lassen.

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Vinyl Mastering ist eine besondere Kunst

Erscheint normales Mastering schon mysteriös, ranken sich um die Entstehung einer Vinylvorlage noch weitere dunklere Mythen. Als analoges Medium benötigt es besondere Aufmerksamkeit und beim tatsächlichen Schneidevorgang können unerfahrene Anwender im schlimmsten Fall den Schneidekopf zerstören.

Davon abgesehen können wir direkt aus einer CD eine Vinylvorlage erstellen. Etwas mehr Dynamik, ein kleiner Eingriff im Bassbereich und eventuell ein DeEsser – fertig. Gerade der Verzicht auf Hyperkompression führt zu einem deutlichen Klangunterschied und lässt die Schallplatte später im Vergleich schöner erscheinen.

Alte Tontechnikerweisheit: Wissen ist Macht, nichts wissen erfreut den Geldbeutel des Mastering Studios.

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