Jeder kann Mastern

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Verbotenes ist Reizvoll

Ob ORTF Mikrofonierung, Multiband Kompression oder Overdub Recording, niemand würde behaupten, dass diese Techniken für den normalen Hausgebrauch viel zu schwierig sind. Aber Mastering? Das ist angeblich nur etwas für einen erlauchten Kreis wahrer Profis und Könner.

Pustekuchen! Mastering gehört zu den grundlegenden Fähigkeiten genau wie seitliches Einparken in der Fahrschule. Sicherlich benötigen manche dafür ein wenig länger und werden nie vollendeten Perfektion erlangen, für sehr gute Ergebnisse reicht es allemal.

Zudem, wie war das in Kindheitstagen? Was verboten ist hat den besonderen Reiz. Daher auf geht’s, lerne Mastering. Jetzt!

Du kannst es

Bist du halbwegs fähig eine ordentliche Produktion aufzunehmen und abzumischen, bist du ebenfalls bereit “die hohe Kunst des Masterns” zu erlernen. Schließlich handelt es sich lediglich um langweilige Summenbearbeitung mit üblichen Equipment, das du schon immer benutzt hast.

Machen wir eine kleine Checkliste:

  • Du beherrscht den EQ? Perfekt.
  • Du kannst nen Kompressor einstellen? Grandios.
  • Wenn du zwei Songs hörst, kannst du ungefähr herausfinden, wieso sie unterschiedlich klingen? Ja?

Falls du irgendwo mit Nein geantwortet hast, macht nichts, kann man alles üben.

Spart Geld

Tontechnik ist ein schönes Hobby das bereits mit geringem Budget tolle Ergebnisse erzielt. Warum also Geld in ein externes Mastering Studio investieren wenn Aufnahme und Mischung zu Hause stattfanden? Vergleiche deinen Sound mit anderen Liedern, korrigiere ihn mit dem EQ und mach alles etwas lauter – viel mehr passiert dort auch nicht.

Bist du bereits mit dem Mix unzufrieden, wird auch ein Profi nur selten etwas retten können. Versuche lieber deine Recording Skills zu perfektionieren und mische bis das Ergebnis nahezu “CD-fertig” klingt. Ne vergammelte Currywurst schmeckt auch nicht besser, nur weil am Schluss Blattgold drauf kommt.

Finde Distanz

Ein nicht von der Hand zu weisendes Argument ist die fehlende Distanz eines Mix Engineers zu seinem Produkt. Nach tagelangem rumgeschraube verlieren wir die Objektivität und können vorhandene Stärken und Schwächen nur noch schlecht beurteilen. Etwaiges Mastering kann hier gehörig nach hinten los gehen.

Doch nirgends steht geschrieben, dass eine Produktion innerhalb von wenigen Tagen fertig sein muss. Ich kenne Fotografen, die ihre Bilder erst ein Jahr nach Entstehung entwickeln und bearbeiten, einfach um Distanz zu ihrem Produkt zu erlangen. Genau so kannst du es auch mit deinen Songs machen. Lass ein paar Wochen vergehen und höre dann erneut über dein Ergebnis. Alle gefundenen Fehler kannst du nun klassisch in der Summe korrigieren oder noch besser in den Einzelspuren. Ein Remix erzeugt am Ende immer das bessere Ergebnis.

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