Feedback vermeiden ohne EQ

Weniger ist mehr

Beginnen wir mit einer altbekannten Weisheit und damit einer der einfachsten Möglichkeiten Feedback effektiv zu vermeiden: Weniger Lärm im Saal und auf der Bühne ist mehr Headroom bevor es pfeift. In Wahrheit ist die Umsetzung jedoch etwas kniffliger, stehen auf der To-Do Liste doch eher unpopuläre Punkte wie:

  • Überzeuge den schwerhörigen Musiker von einer leiseren Monitormischung und nur den nötigsten Instrumenten auf seinem Mix
  • Platziere alle Monitore möglichst nahe am Ohr der Künstler, so dass möglichst wenig Energie in den Raum und auf die Bühne geblasen wird
  • Optimiere den Pegel lauter Instrumente durch entsprechende Spieltechniken oder technische Hilfsmittel wie Absorber und Reflektoren. Ein mit Rods gespieltes Schlagzeug oder ein Drum Shield kann gerade auf kleinen Bühnen wahre wunder bewirken.

Auf die Pelle rücken

Tipp Nummer Zwei bedient sich einer bekannten Mikrofonierungstechnik, dem Close Miking. Je näher wir das Mikrofon an die gewünschten Signalquelle bringen, desto besser wird das Verhältnis von Direktsignal zu Raumanteil und wir können den Input Gain etwas zurücknehmen.

Was bei Instrumenten mit fester Position, zum Beispiel an der Gitarrenbox, oder einem Headset mit konstantem Kapselabstand zum Mund wunderbar funktioniert, ist für unerfahrene Sänger mit Handmikrofon natürlich etwas kniffelig. Als netter Services solltest Du vor dem Auftritt die Mikrofone desinfizieren, falls doch jemand die Kapsel küsst.

Tipp: Desinfiziere kurz vor dem Auftritt die Mikrofone der Sänger, falls Sie doch öfters mal die Kapsel küssen.

Hände weg vom Mikrofon

… zumindest von der Kapsel. Sänger die den besonderen Coolnessfaktor bevorzugen (welche Gruppe könnte das nur sein … ) umgreifen ihr Mikrofon gerne direkt am unteren Teil der Kapsel und nicht am dafür vorgesehenen Handstück.

Das Resultat ist neben einem deutlich verändertem Klang eine erhöhte Anfälligkeit für Feedback, da die einstmals gerichtete Charakteristik, zum Beispiel eine Niere, nun zu einer wundervollen Kugel mutiert, die deutlich mehr an unerwünschten Signalen einfängt.

Sollte sich der Künstler als Beratungsresistent entpuppen, hilft in diesem Fall nur eine Pegelabsenkung am Gain und eine breitbandige Frequenzbearbeitung im Bereich von 1 kHz um zu retten was zu retten ist.

Die Macht der Charakteristik

Wie gerade beschrieben, sind Kugeln zwar klanglich eine tolle Sache, empfangen durch ihre omnidirektionale Verhaltensweise den Sound der Monitorboxen genau so gut wie den Sänger. Deutlich besser und vor allem mit weniger Feedback, geht es mit Nieren oder Supernieren, die rückwärtigen und seitlichen Schall nur gedämpft empfangen. Richten wir diese unempfindlichen Stellen auf die Boxen oder andere störende Signalquellen, können wir uns über mehrere Dezibel an Headroom freuen.