Lautsprecher im Studio aufstellen

Während Konsumenten ihre Lautsprecher eher nach optischen, funktionalen oder willkürlichen Kriterien im Wohnzimmer verteilen, sollten wir zumindest im Studio ein paar grundsätzliche Regeln einhalten.

Alles im Dreieck

Eine geeignete Grundlage bietet die Richtlinie “ITU 775”, welche sowohl für Surround als auch Stereobeschallung ihre Gültigkeit besitzt und besagt, dass alle Boxen in einem gleichseitigen Dreieck stehen und im 30° Winkel zum Hörer zeigen. Verlängern wir die beiden Wiedergabeachsen der Lautsprecher, erhalten wir am Kreuzungspunkt die optimale Abhörposition, in der das beste Stereobild und Klangerlebnis erzielt wird. Dieser auch als “Sweet Spot” bekannte Bereich ist meist nur für ein bis zwei Personen optimal und lässt sich durch leichte Variation von Winkel und Abstand verändern.

 Die Lautsprecher bilden mit dem Abhörpunkt ein gleichseitiges Dreieck
Die Lautsprecher bilden mit dem Abhörpunkt ein gleichseitiges Dreieck

Abstand der Lautsprecher

Im Studio ist neben dem Winkel ist auch der Abstand zwischen und von den Lautsprechern entscheidend. Stehen sie zu nahe bei einander, wirkt der Sound sehr flach und nahezu Mono, bei großer Entfernung reißt das Stereobild auseinander und der Raumeinfluss wird deutlich hörbar.

Für klassische Near Field Boxen haben sich Schenkellängen von 1-3 Metern bewährt. Damit variiert der Abstand vom Hörplatz zu den Lautsprechern zwischen 0.8 und 2.6 Metern und lässt genug Platz für das Mischpult oder den Schreibtisch.

 Empfohlene Abstände für Near Field Boxen
Empfohlene Abstände für Near Field Boxen

Position im Raum

Boxen direkt an die Wand zu stellen ist in kleinen Räumen zwar oftmals notwendig, hat sich in der Praxis jedoch nur als suboptimale Lösung herausgestellt. Als reflektierende Fläche können sie Einfluss auf das Klangbild nehmen und etwa zu überbetonten Bassbereichen oder verminderter Tiefenstaffelung führen. Wenn möglich halte mindestens einen Meter Abstand.

Die eigentliche Positionierung bestimmen die Geometrie und Größe des Raumes, so dass sich hier immer individuelle Werte ergeben, die sich entweder mit ausprobieren oder durch Berechnungen herausfinden lassen. Als anerkannte Daumenregel gilt: die Abhörposition sollte sich im ersten Drittel der Länge und auf der Hälfte der Breite befinden.

wandstudiox

Höhe und Winkel

Am besten klingt’s, wenn sich die Hochtöner auf Ohrhöhe befinden und keine Gegenstände die unmittelbare Sichtlinie zu den Boxen verdecken. Bei sitzender Tätigkeit sind dies etwa 120 cm über dem Boden. Wer es höher mag, oder durch zum Beispiel die abstehende Meterbridge des Tonpults gezwungen ist die Lautsprecher höher zu stellen, kann dies unter Berücksichtigung eines entsprechenden Winkels ebenfalls realisieren. Überprüfe in jedem Fall mögliche Reflexionen die von Pult oder Schreibtisch den Direktschall verwässern.

Hochtöner bitte auf Ohrhöhe
Hochtöner bitte auf Ohrhöhe

 

Stellen oder legen?

Gelegte Lautsprecher sehen zwar schick aus, können jedoch zu unerwünschten Klangveränderungen, etwa durch vermehrte Reflexionen führen. Solange es nicht explizit in der Anleitung erwähnt wird, sollten die Boxen besser hochkant, sprich mit dem Hochtöne zu oberst aufgestellt werden. Dies entspricht auch unserem psychoakustischen Empfinden, in dem hohe Frequenzen oberhalb von Bässen lokalisiert werden.

Wohin mit dem Subwoofer?

Subwoofer sind ein ganz besonderer Fall, dem wir daher gleich einen eigenen Artikel gewidmet haben. Grundsätzlich können sie, mit genügend Wandabstand, jedoch nahezu überall platziert werden und müssen nicht, wie oft umgesetzt, genau mittig zwischen oder genau untern den Hochtönern gelegt werden.

Ab-und Ankoppeln

Schwingt an einem Lautsprecher nicht nur der Membran, sondern auch der Ständer, Boden oder gar die ganze Wand, hat dies neben unnötiger Körperschallübertragung auch negative Auswirkungen auf den Klang. Abhilfe schafft in diesem Fall dämpfendes und elastisches Material, etwa in der Selfmade-Variante halbierte Tennisbälle als Unterlage oder natürlich professionelle Absorber.

Bei Bassboxen bietet sich hingegen oft der umgekehrte Weg an. Kleine “Spikes” koppeln den Lautsprecher noch besser an den Boden an und vermeiden zeitgleich Rückschwingungen auf das Gehäuse.

Weiteres Tuning

Neben diesen grundlegenden Dingen gehört zur perfekten Aufstellung natürlich noch einiges mehr, was jedoch einschlägiges Fachwissen, Messsysteme und akustische Optimierungen erfordert. Für den Heimbedarf sind die gezeigten Schritte ein guter Anfang.