Mehr Klang für’s Geld

Stell dir vor, du erhälst von einem Musikhaus einen Gutschein über 2.000 Euro. Welche Komponenten kaufst du dir, um die Qualität deiner Produktion deutlich aufzuwerten?

Unwichtig

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Kabel

Ohne Kabel geht natürlich nichts, allerdings ist Strom eher anspruchslos und begnügt sich bereits mit sehr einfachen Materialien solange der Querschnitt ausreichen ist. Innen Kupfer, außen Plastik, das Ganze mit einer vernünftigen Steckverbindung ausgestattet und fertig ist der gute Klang! Goldene Pins und silberne Adern sind zwar hübsch anzusehen, bringen jedoch keinen wirklichen Mehrwert.  Genauere Infos zum Thema Kabel findest du hier.

Software

Ob Pro Tools, Cubase oder Studio One, die größten Unterschiede finden sich allein im Preis, Aussehen und Workflow. Wer sein Handwerk beherrscht, erreicht mit jeder Software professionelle Resultate und niemand wird bei einem A/B Vergleich Unterschiede heraus zu hören.

Selbiges gilt entsprechend für Third Party Plugins. Ob Freeware oder teures VST aus der Edelschmiede, der Unterschied findet mehr auf psychologische Ebene, denn messtechnisch erfassbaren Werten statt. Ausgenommen davon sind lediglich Hallgeräte, hier dürfen wir ruhig ein paar Dollar investieren.

Digitalwandler

High End Wandler und Onboard Soundkarte verbindet das selbe zentrale Elemente: ein kleiner Mikrochip der im Großhandel nur wenige Doller kostet. Somit ist es wenig verwunderlich, wenn die Klangunterschiede zwischen den Wandlern äusserst geringer Natur sind. Für “deutliche” Veränderungen muss es schon ein Stand-Alone Gerät aus dem vierstelligen Preisbereich sein und gemessen am tatsächlichen Mehrwert lohnt diese Investition selten.

preAmps

Was sich mittlerweile in einem typischen 200 Euro USB Interface befindet darf sich durchaus als ordentlicher Mikrofonverstärker bezeichnen lassen. Der Klang ist sauber, ohne all zu viel Rauschen und bietet eine realistische Abbildung des Instruments. Erst wenn der preAmp den Sound färben soll, lohnt der Griff zu den teuren Modellen. Hast du noch einen sehr alten und günstigen Verstärker, kann ein Upgrade durchaus sinnvoll sein.

Wichtig

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Mit einem ordentlichen Interface, einer netten Software und ein paar handelsüblichen Mikrofonkabeln im Gesamtwert von 500 Euro, besitzt du bereits alles um fantastische Produktionen abzuliefern. Worauf es wirklich ankommt, sind ganz andere Dinge …

Mikrofon

Nichts beeinflusst den Klang so stark wie das passende (oder falsche) Mikrofon. Ein große Auswahl erlaubt uns für jedes Instrument den optimalen “Tonabnehmer” zu finden, wobei sich “optimal” nur bedingt auf einen hohen Anschaffungspreis bezieht. Durch die Einzigartigkeit eines jeden Inputs kann manchmal der Asia Import das bessere Ergebnis liefern als die handgelötete Nobelkeule aus deutscher Produktion.

Mikrofonposition

Weder direkt durch Geld noch durch Technik, sondern im Buchladen, bei Workshops und natürlich durch Erfahrung zu erwerben, ist die die richtige Positionierung eines Mikrofons. Was hilft das edelst Gerät, wenn es falsch angebracht ist? Wenige Zentimeter Versatz können bereits zu gewaltigen Klangunterschieden führen und während der Aufnahme ein paar Minuten länger experimentieren hilft mehr, als der spätere Rettungsversuch im Mixdown.

Input

Zwischen dem “Superstar” live auf der Bühne und der fertigen CD liegen oft Welten und zeigt dass im Tonstudio kräftig manipuliert werden kann. Wirkliche Wunder sind aber auch hier ausgeschlossen und je besser der Input desto besser das Endergebnis.

Wer nicht singen kann wird auch durch eine Kombination aus Brauner VMA und Tube-Tech MEC 1A, schrecklich anzuhören sein – Shit In → Shit Out. Selbiges gilt für Instrumente: ob eGitarre aus dem Supermarkt oder Trompete vom Wühltisch – was in Echt miserabel klingt hat kaum Chancen auf Band toll zu klingen. Anders herum kann ein guter Input bereits mit sehr günstiger Tonhardware lebendig und schön abgebildet werden.

Preis-Leistung

Am besten lässt sich das Thema mit dem Pareto Prinzip zusammenfassen: Einen tollen Klang (80% des Möglichen) erreichen wir bereits mit günstigem Equipment (20% der Kosten von High End Gear). Um das Maximum auszuschöpfen müssen wir hingegen unverhältnismäßig viel Aufwand und Geld investieren, das Preis-Leistungsverhältnis nimmt immer weiter ab.

Von einer anderen Seite betrachte, liegen viele Heimstudios mit ihrem “Amateurequipment” vermutlich bereits auf einem höheren Qualitätsniveau als so manches Profistudio der 70er und 80er Jahre und Produktionen aus dieser Epoche klingen angeblich besonders “audiophil”. Wenn’s daher mal wieder nicht so doll aus den Boxen schallt, sitzt das eigentliche Problem eher vor dem Bildschirm oder Mikrofon 😉

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