Kabel – sparen oder teuer kaufen? – 13db Audio Knowledge
Kabel – sparen oder teuer kaufen?

Kabel sind für die meisten Menschen langweilige Gegenstände, über die ausschweifende Gedanken wenig lohnen. Kaufen, einstecken und da sie selten ästhetisch wertvoll sind, am besten ausser Sicht verlegen.

Fragen wir hingegen Fachverkäufer oder HighEnd Freaks, werden Kabel zu einer eigenen Wissenschaft, wenn nicht gar Religion. Ob Monitor-, Netzwerk-, Antennen- oder Stromkabel, für alle Anwendungsbereiche existieren besondere, optimierte Exemplare, und wer möchte kann im Audiobereich 1.000 Euro für 5 Meter Kabel auszugeben. Doch lohnen solche Investitionen tatsächlich?

Teurer ist besser

Die Antwort ist erstaunlich einfach: ja, weil’s besser klingt. Zumindest behaupten dies die Hersteller der entsprechenden Kabel, denn es wäre ja auch zu blöd, wenn sich herumspricht, dass preiswerte “normale” Kabel vollkommen ausreichend sind.

Und daher gibt es sie, Kabel, die nur in eine bestimmte Richtung angeschlossen werden dürfen, vergoldete Steckkontakte besitzen und ein Innenleben aus reinstem Edelmetall aufweisen. Wenn sie dazu noch bei Vollmond im Blut von geopferten Jungfrauen geschmiedet werden, um so besser… zumindest sollte man das bei diesen Preisen erwarten dürfen.

Ein Quäntchen Verbesserung

Ganz falsch ist dieses Bemühen natürlich nicht, jedoch lässt sich bei so etwas ordinärem wie einem Kabel selbst mit viel Aufwand und Materialeinsatz nur eine marginale Optimierung erreichen.

Diese Klangverbesserung, oder nennen wir es besser Klangveränderung, ist bei einem A/B Vergleichstest durchaus hörbar, zumindest dann, wenn der Rest des Equipments ebenfalls einen hohen Standard erfüllt. Denn wie immer wird der Sound vom schwächsten Glied in der Kette geprägt und das tollste Kabel hilft nicht, wenn es der preAmp ausbremst oder die Abhöre die Detailtreue nicht wiedergeben kann. In den meisten Studios ist das Geld an ganz anderen Stellen (zum Beispiel Akustikausbau) deutlich besser invsestiert.

Eine goldene Beschichtung interessiert digitale Signal herzlich wenig
Eine goldene Beschichtung interessiert digitale Signal herzlich wenig

Billig ist schlecht?

Wenn Highendkabel kaum besser klingen, wie sieht es dann mit Billigkabeln aus?

Kabel vom Wühltisch sind aus einem anderen Grund kritisch zu betrachten. Nicht, weil sie unglaublich schlecht klingen, nein, weil sie unglaublich schlecht verarbeitet sind und unglaublich kurze Lebenserwartungen haben. Irgendwo muss schließlich gespart werden. Die Befunde reichen von kalten Lötstellen, Ummantelungen, die sich in Luft auflösen, Stecker, die nach dem fünften Mal in ihre Einzelteile verfallen oder der einfachen Tatsache, dass es sich nicht aufwickeln lässt. Bei diesen Kabeln gilt die Weisheit: “wer billig kauft, kauft zweimal (und öfter)“.

Das optimale Kabel

Kabel zur Line- und Mikrofonübertragung im professionellen Audiobereich sollten mindestens folgende Eigenschaften aufweisen:

  • einen vernünftigen Aderquerschnitt (irgendwas um 0,2 mm3)
  • eine ordentliche Schirmung
  • einen stabilen Mantel (Gummi, das viel aushält)
  • eine hochwertige Steckverbindung (Stecker von Neutrik sollte man sich schon gönnen)

Zusammengefasst ergibt dies einen laufenden Meter zwischen 50 Cent und 1 Euro, plus circa 6 Euro für die Steckverbindung. Alles andere ist tatsächlich Luxus.

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