Die Gage – Wunsch & Realität – 13db Audio Knowledge
Die Gage – Wunsch & Realität

Unsere Kalkulationen und Preisvorstellungen sind die eine Seite, die reale Welt eine etwas andere. Denn wo wir viel Geld verlangen wollen, muss sich erst jemand finden der bereit ist dies zu zahlen.

Wie in allen Bereichen des Lebens ist Sparen das größte Hobby von Kunden und Auftraggeber und das geht am besten beim Personal. Da es in der Ton- und Veranstaltungsbranche keine Gewerkschaften, Tarifverträge oder gar Mindestlöhne gibt, muss jeder Job neu und individuell verhandelt werden und selten geht das Gespräch zu unseren Gunsten aus.

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Kunden und Dienstleister haben oft andere Vorstellungen von der Vergütung

Um allen Seiten eine faire Hilfestellung zu geben, haben zwei große Branchenverbände, der VPLT und die Berufsvereinigung Filmton, Vergütungsempfehlungen ausgesprochen. Damit verhält es sich jedoch wie bei der unverbindlichen Preisempfehlung von Herstellern – keiner hält sich daran und überall gibt es die Produkte deutlich günstiger. Aber schauen wir uns das ganze erst einmal an.

Filmton

film

 

Die Berufsvereinigung für Filmton empfiehlt ihren freischaffenden Mitgliedern Filmton Guide 2012, Nettolöhne für freie Mitarbeiter:

Beim Dreh, max. 10 Stunden, Low Budget Film

  • Tonmeister, auf Rechnung: 353 Euro
  • Tonmeister, angestellt: 272 Euro
  • Tonassisten, angestellt: 236 Euro

Bei größeren Budgets und in der Werbung sollten 30-80 Euro hinzu addiert werden.

Postproduktion, max. 8 Stunden, Low Budget

  • Sound Editor, auf Rechnung: 282 Euro
  • Supervisor, auf Rechnung: 353 Euro
  • Mischtonmeister, auf Rechnung: 366 Euro
  • Geräuschemacher, auf Rechnung: 397 Euro

Auch hier, je größer die Produktion, desto eher noch 30-60 Euro dazu

Zuschläge

Wird die Arbeitszeit überschritten, fallen pro angefangener Stunde 1/10 der Tagesgage plus Zuschläge an:

  • 25% für 1-2 Stunden
  • 60% ab der 3. Stunde
  • 100% ab der 4. Stunden
  • 25% für Nachtarbeiten zwischen 22-6 Uhr

Halbtagesgagen oder Ähnliches, wenn der Drehtag einmal kürzer wird, gibt es natürlich nicht.

Livetechnik

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VPLT

Der Verband für Medien und Veranstaltungstechnik VPLT nennt in seiner 40. Ausgabe des Magazins folgende Vergütungssätze:

Selbstständige, max 10 Stunden

  • Ton-, Licht-, Kameraassistent und Rigger: 300 – 340 Euro
  • Tontechniker oder Lichttechniker: 350 – 420 Euro
  • Operator oder Ingenieure: 400 – 600 Euro
  • Studioleiter: 550 – 700 Euro
  • Kameramann: 400 – 600 Euro

Zuschläge für Überstunden und Nachtarbeit sollen dabei individuell ausgehandelt werden.

Realität

12641394061358166516smiley_green_alien_cry-svg_-med_Die von den Verbänden vorgeschlagenen Gagen liegen bis zu 170 Euro über dem von uns errechneten Tagessatz (245 Euro). Super könnte man meinen, so bekommen wir auf alle Fälle ein sicheres Auskommen, aber weit gefehlt.

250 Euro sind bei vielen Auftraggebern oberstes Limit, je nach Branche und Kunde kommen sogar Angebote für weniger als 200 Euro den Tag zu verbringen. Da hilft auch eine hohe Reputation, jahrelange Erfahrung oder das wöchentliche Gelage mit den Disponenten nichts.

Gerade Anfänger oder Techniker für den Wald- und Wiesenverleih müssen sich oft ohne Verhandlungsspielraum nach dem Friss-oder-Stirb Prinzip Überwasser halten. Wie gefährlich so etwas werden kann, zeigt unter anderem eine Umfrage der IF Freie Filmschaffende, die von Tagessätzen von bis zu 80 Euro berichtet: “Am härtesten sind die Tontechniker betroffen. Nur 50 Prozent von ihnen sind überhaupt rentenversichert. Gerade mal ein Drittel der Kollegen kann sich eine Unfallversicherung leisten.”Quelle: IF-FF Pressemitteilung 01-2014

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