Mahnungen und Co

Säumige Zahler und unpünktliche Überweisungen gehören leider zum ärgerlichen Alltag, aber bevor wir wutentbrannt den Anwalt auf den Schuldner hetzten, lehnen wir uns entspannt zurück, massieren die Ohrläppchen und überlegen uns für beide Seiten eine vernünftige Lösung.

Fälligkeit

Ohne besondere Vereinbarungen gilt eine gesetzliche Zahlungsfrist von 30 Tagen nach vollbrachter Leistung und Rechnungseingang beim Kunden. War das Recording am 14. April und du verschickst die Rechnung erst am 1. Mai per eMail, kann sich der Kunde bis zum 31. Mai Zeit lassen. Bei Postversand ein paar Tage mehr, bis sie bei ihm angekommen ist. Um das ganze zu beschleunigen, lassen sich vorab andere Vereinbarung im Vertrag treffen: von Vorkasse über sofortige Zahlung bei erbrachter Dienstleistung bis hin zur Ratenzahlung ist alles denkbar. Üblicherweise liegt die Frist zwischen 10 und 21 Tagen, meistens bei 2 Wochen um der Buchhaltung genügend Zeit zu geben. Gib die Fälligkeit am besten als absolutes Datum zum Beispiel “Fällig bis 22.11.2012” an.

Auf der Rechnung sollte immer das gewünschte Fälligkeitsdatum angebracht sein
Auf der Rechnung sollte immer das gewünschte Fälligkeitsdatum angebracht sein

Verzug

Ist das angegebene Datum, oder spätestens die 30 Tage Frist verstrichen, können wir unmittelbar ein kostenpflichtiges Mahnverfahren einleiten oder ein russisches Inkassobüro für weitere Schritte beauftragen. Beides führt mit Sicherheit zum Ziel, sofern wir wenig Wert auf weitere Aufträge legen. Vermutlich wurde die Rechnung nur übersehen oder vergessen und eine freundliche Erinnerung per Telefon oder eMail reicht, um das Geld auf unser Konto zu zaubern. Worte wie “Mahnung” oder “Sofort” sind dabei fehl am Platz.

Sehr geehrter Herr Mustermann, leider konnte ich für meine Rechnung 291 vom 22.01 noch keinen Zahlungseingang verbuchen. Ich würde mich freuen wenn Sie dies in den nächsten Tagen nachholen. Sollte sich Ihre Zahlung mit diesem Schreiben überschneiden, betrachten Sie diese Erinnerung als hinfällig. Für Rückfragen stehe Ich ihnen gerne zu Verfügung. Mit freundlichen Grüßen

Nichtzahler

Will oder kann der Kunde darauf nicht zahlen, müssen wir die weiteren Schritte sorgsam abwägen. Wegen 50 Euro ein Gerichtsverfahren zu eröffnen und sich stundenlang mit den Formalitäten herum zu plagen, kostet am Ende mehr Zeit, Geld und Energie als auf sein Recht zu verzichten. Einen einmal gestellte Forderung bleibt 3 Jahre nach der ersten Rechnung gültig – genug Zeit um vielleicht auf anderen Wege etwas zu erreichen. Willst du dennoch aktive werden, hast du die Auswahl zwischen Klagen und einem Mahnbescheid. Letzteres ist entweder direkt am lokalen Mahn-Gericht oder mittlerweile sogar Online möglich und kostet bis 900 Euro Streitwert pauschal 23 Euro. Legt der Schuldner innerhalb der nächsten 14 Tage keinen Widerspruch ein, kommt der Gerichtsvollzieher und schaut ob es etwas zu holen gibt. Falls doch, hilft nur ein langwieriger Prozess.

Zusammenfassung

Auf mehrstufige Mahnverfahren und unschönen Schriftverkehr wird heute meistens Verzichtet. Erreicht man mit einer einmaligen freundlichen Erinnerung nichts, schreibt man die Rechnung ab oder greift direkt zur Klage-Keule. Bei großen, geldaufwendigen Projekten bietet sich Vorkasse oder eine Teilzahlung nach gewissen Meilensteinen an, um bei Nichtzahlung rechtzeitig die Notbremse ziehen zu können. Bei Tonaufnahmen solltest du niemals das fertige oder komplette Material an den Kunden weitergeben, bevor du nicht das Geld gesehen hast.