DJs und rote Lampen

Neulich, irgendwo in Deutschland. Es ist kurz nach Mitternacht, der Club ist voll und die Menge tobt … doch offenbar nicht vor Freude. Dabei hat sich der DJ extra ins Zeug gelegt, die besten Hits ausgepackt und die Lautstärke aufs Maximum gedreht. Was also ist geschehen?

Die Lösung offenbart sich nach einen kurzen Blick auf den Laptop und dem dazugehörigen Club Mixer. Als ob der DJ die Lighthshow allein schmeißen wollte, blinken alle Pegelanzeigen konstant im roten Bereich.

Obwohl Rot in der Farbenlehre für positive Eigenschaften wie Dynamik, Vitalität und Wärme steht, möchte uns die Hard- und Software vielmehr auf eine gewisse Problematik hinweisen: ab hier beginnen unangenehme Verzerrungen und fahren wir den Pegel weiter nach oben, verlässt anstelle glasklarer Beats eine verzerrte, matschende und drucklose Masse den Ausgang der Konsole. Rot = Tot.

 viel Rot = wenig Gut
viel Rot = wenig Gut
 Das kommt dabei raus wenn man langsam in den roten Bereich fährt
Das kommt dabei raus wenn man langsam in den roten Bereich fährt

Alles im grünen Bereich

Gerade digitales Clipping mit seinen hart abgeschnittenen Pegelspitzen ist ein eher unangenehmes Hörerlebnis, dass sich jedoch im Vorfeld durch einen einfachen Handgriff vermeiden lässt, den Gain.

Innerhalb der Software durchläuft jedes Deck zuerst einen regelbaren Input Gain bevor das Signal über den Fader auf den Master Out gelangt. Spielen wir nicht gerade Songs von 1956 ab, bleibt dieser auf 0 dB Unity Gain, denn schließlich sind aktuelle Produktionen bereits perfekt eingepegelt und benötigen keine weitere Verstärkung. Das Peak Meter sollte in diesem Fall automatisch im gelben Bereich aufhören.

Leuchtet es dennoch Rot, weil wir uns etwa am EQ vergreifen oder einen zusätzlichen Effekt auf die Spur legen, gleichen wir den Pegelzuwachs entsprechend aus. Generell kann der Input Gain von Anfang an etwas zurück gedreht bleiben (z.B. auf -6dB) und sichert uns so im Eifer des Gefechts einen nützlichen Headroom.

 Signalfluss im DJ Setup
Signalfluss im DJ Setup
 Der Input Gain kann normalerweise auf 0 dB Unity stehen bleiben
Der Input Gain kann normalerweise auf 0 dB Unity stehen bleiben

Die nächste Gefahr von Clipping besteht im Master, in dem sich alle Signale der einzelnen Kanäle summieren. Gleicht der Cross Fader die Pegeladdition nicht hundertprozentig aus, oder beschicken wir ihn aus zu vielen Quellen, leuchtet er ebenfalls in munterem Rot. Da der Master direkt am D/A Wandler der Soundkarte endet, sind Übersteuerungen weitaus gravierender als innerhalb der Kanäle.

Arbeitet die Software lediglich mit 16 oder 24 Bit drehen wir zur Kompensation die Channel Gains nach unten, bis der Master in Unity Stellung sauber im grün-gelben Bereich zappelt. Bei modernen Systemen mit 32 Bit reicht ein Griff zum Master Gain (Volume).

 Übersteuert der Master, können wir entweder die einzelnen Input Gains zurück nehmen oder den Master selbst
Übersteuert der Master, können wir entweder die einzelnen Input Gains zurück nehmen oder den Master selbst
 Wenn der Master clippt gibt es zwei Möglichkeiten ...
Wenn der Master clippt gibt es zwei Möglichkeiten …

Fazit

Wer als DJ sein Handwerk ernst nimmt, gibt auch auf technische Aspekte wie den Audiopegel acht. Solange sie maximal im grüngelben Bereich zappeln bleibt der Sound bis zum Ende einwandfrei. Drehen wir das Signal hingegen ins Clipping, wird es zwar anfänglich lauter, verliert jedoch auch an Druck und Brillanz.