Singen – Essen und Doping

Essen vor dem Gig

Schon die alten Römer wussten: “plenus venter non studet libenter” oder zu Deutsch: “Ein Voller Bauch studiert nicht gern”. Diese Weisheit gilt jedoch nicht allein für geistige Wissenschaften, auch Sportler und Sänger sollten diesem Ratschlag folgen.

Je voller unser Magen, desto weniger Platz verbleibt dem Zwerchfell an Bewegungsfreiheit und dies ist für unseren Hauptatemmuskel ein denkbar unpraktischer Zustand. Die fettige Pizza hastig in der Backstage Lounge hineingestopft mindert so unbemerkt unsere Leistungsfähigkeit. Laut Studien wie die von Donath/Schüler beträgt die Verdauungszeit bis zu 8 Stunden und ein Grillhähnchen am späten Mittag wirkt sich bis in die Abendstunden aus.

Tip: Versuch deine letzte große Mahlzeit mindestens 2-3 Stunden vor dem Auftritt einzunehmen. Damit du auf der Bühne nicht umkippst, kannst du natürlich noch vorher einen kleinen, leichten Snack einwerfen.

Die Gefahr lauert überall

Wenn der Bassist nach der Probe seinen 5-Saiter in die Tragetasche schiebt und beherzt zum Feierabendbier greift, haben wir Sänger ein Problem. Unser Instrument lässt sich schlecht mal eben ins Case legen und ist immer aktiv. Alle Flüssigkeiten die wir vor, nach und während einem Auftritt in uns hinein schütten hinterlassen ihre Nebenwirkungen.

Positiv sind diese wenn es sich um reines H2O handelt. Zwei bis drei Liter Wasser über den Tag verteilt, oder umgerechnet 20-30 Milliliter pro Kilogram sollten es mindestens sein. Ob still oder mit Kohlensäure ist dabei vollkommen egal, letzteres fördert nur eine gewisse Gasansammlung, die oftmals unbedacht ins Freie strömt …

Böse ist alles, was unserem Körper Wasser klaut oder direkt die Stimmlippen angreift. Dazu gehört primär der beliebte Alkohol – die Stimme am nächsten Morgen einer durchzechten Nacht beweist dies deutlich, auch wenn hier meistens noch andere Faktoren wie Rauchen und Schreien mitspielen. Ebenfalls stehen Wachmacher wie Cola, Energy Drinks und Kaffee auf der Schwarzen Liste. Neben der Entwässerung kann der Genuss unsere Stimme verfärben und ist etwas zu kalt (Cola) oder zu heiß (Kaffee), kommt das ebenfalls nicht gut an.

Finger weg vom Doping

Wenn die Stimme versagt empfehlen Ärzte viel Flüssigkeit, möglichst wenig Sprechen und ganz im Notfall auch das eine oder andere Medikament. Leider wird letzteres im “Gesangssport” oft unnötig und missbräuchlich eingenommen. Wie Viagra für die Stimmlippen lässt sich damit prima länger und besser durchhalten, doch ob das auf Dauer wirklich gesund ist, darf jeder für sich entscheiden.

Eine andere Sorte legalen Dopings sind Hustenbonbons. Schnell mal eben frischen Atem bekommen, tief durchatmen und die Heiserkeit wegspülen … ja das wäre schön. Das gute Gefühl der extra starken Lutschpastillen à la Freund des Fischermanns oder Menthol 5000 Froschkiller wird jedoch durch gleichzeitige Reizungen der Stimmwege überschattet, die denen von Habanero-Schoten nicht unähnlich sind.

Uneingeschränkt zu empfehlen sind lediglich sanfte und naturnahe Inhaltsstoffe wie Isländisches Moos. Ob frisch von den Schweizer Alpen gepflückt oder als fertig gepresste Tablette wirkt es reizlindernd und hält Mund und Rachen feucht.

Fazit

Wer seine Stimme professionell oder als Hobby nutzt, hat’s wirklich nicht einfach. Sich nun all das genannte zu verbieten ist natürlich auch Quatsch, wichtig ist ein verantwortungsvoller Konsum.