8. Was ist nun besser?

Nicht nur im Audiobereich, nein auch bei Film und Fotografie lässt sich stundenlang über die Vor- und Nachteile der neuen digitalen Technik im Gegensatz zur bewährten analogen Variante streiten. Was ist schärfer, genauer, angenehmer, schöner, einfacher, schneller … Da wir allerdings keine Stunden dafür haben und das ganze Thema nur ausufern würde, wollen wir auf die esoterischen Bereiche verzichten und nur wirklich relevante Punkte beleuchten.

Nachteile Digitaltechnik

  • Ein digitales Signal ist diskret und damit nur endlich genau. Liegt die Auflösung unterhalb des menschlichen Gehörs oder erfüllt nicht die mathematischen Bedingungen, kann dies zu einer hörbaren Signalverschlechterung führen. Beispielsweise klingt ein Musikstück in 8 Bit und 11 kHz deutlich anders als das analoge Original.
          Beispiel: 16 Bit 44 kHz vs. 8 Bit 11 kHz
  • Digitalgeräten erzeugen selten positiven Klangveränderungen wie “Wärme” oder andere “Färbungen” die ihnen einen besonderen Charakter verleihen.
  • Ohne entsprechende Controller und haptische Bedienoberflächen lenken Maus und Tastatur von der kreativen Arbeit ab

Vorteile der Digitaltechnik

  • Hochwertige Geräte sind klangneutral, linear und bieten beste Klirr- und SnR-Werte
  • Jede Kopie gleicht der Vorlage, es gibt keine Verluste. Analog hingegen entstehen bei jedem Lese- und Schreibvorgang Abnutzungen, verstärktes Rauschen und Verzerrungen
  • Wir können nondestruktiv arbeiten, ein Undo zurück zum Original ist jederzeit möglich
  • Nonlineares Editing erlaubt uns das Material in beliebiger Reihenfolge zu bearbeiten und ohne Zeitverlust an eine Stelle zu “spulen”.
  • Reproduzierbarkeit: eine analoge Konsole kann jeden Tag anders klingen, weil die Bauteile altern, die Toleranzen unterschiedlich sind oder sich die Temperatur verändert hat. Digitalgeräte basieren auf mathematischen Algorithmen, die immer das gleiche Ergebnis produzieren.
  • Manche Effekte sind nur digital möglich. Dazu gehören FIR Filter, phasenlineare EQs, Dynamics mit 0 ms Attack, …
  • Ein komplettes Studio ist mit Hilfe von Digitialgeräten deutlich günstiger in Anschaffung und Unterhalt. Große Analogkonsolen sind enorme Stromfresser und brauchen ständig eine Servicekraft, die mit dem Lötkolben herumfummelt.

Fazit

Alle Punkte, die heute für eine wirtschaftliche, effiziente und hochwertige Produktion erforderlich sind, werden von der Digitaltechnik erfüllt: günstig Anschaffungspreise, überragende Qualität und simpel im Umgang. Selbst zwei der anscheinenden “Nachteile” sind so nicht ganz haltbar:

  • Nimmt man es genau, besitzen auch analoge Medien eine begrenzte Auflösung. Ob eine Schallplatte mit 33 1/3, 45 oder 75 U/min dreht, macht einen deutlichen Klangunterschied aus. Besser wäre es, sie könnte sich noch schneller rotieren. Gleiches gilt für Tonbandgeräte, je schneller und breiter das Band, desto besser ist die Qualität. Betrachtet man die Digitaltechnik rein physikalisch und mathematisch, wurde schon Anfang des 19. Jahrhunderts bewiesen, dass sich aus diskreten Signalen jederzeit die analogen Originale ohne merkliche Verluste rekonstruieren lassen.
  • Möchten wir analoge Fehlerquellen (bekannt als “Wärme”) nachbilden, lassen sich diese künstlich durch digitale Algorithmen erzeugen. Wir müssen sie jedoch nicht gezwungen in Kauf nehmen, sondern optional auf den neutralen, sachlichen und wahren Klang eines Instruments legen.

Natürlich soll niemand auf schöne analoge Spielzeuge verzichten, der schönste Weg ist das beste aus beiden Welten zu verbinden.