1. Die Anfänge

Alles dreht sich um diesen kleinen Chip auf der Soundkarte (Quelle: RME)
Alles dreht sich um diesen kleinen Chip auf der Soundkarte (Quelle: RME)

1970 hätte man sich kaum träumen lassen, welche dramatischen Veränderungen die Digitaltechnik der Tonwelt einst bescheren wird. Zwar gab es bereits in den Siebzigern digitale Geräte und Effekte, doch steckten diese noch in den Kinderschuhen. Die Umsetzung war meist unausgereift und der Klang von hörbaren Artefakten durchsetzt. Kein Wunder, dass Tontechniker dieser Generation selbst heute noch analoges Equipment bevorzugen.

Ein Blick auf die aktuelle Hard- und Software zeigt jedoch ein ganz anderes Bild. Der Fortschritt der letzten Jahrzehnte hat die Klangqualität zu ungeahnten Höhen vorangetrieben und teils spektakuläre Möglichkeiten eröffnet. Hat man sich im Alltag an die Bits und Bytes gewöhnt, will man sie anschließend nie mehr missen.

So war ich im Studium der erste Kurs, der nicht mehr auf einer analogen Bandmaschine schneiden musste – und auch wenn ich es freiwillig gelernt habe, bin ich doch froh, dass es mittlerweile Sequenzer gibt.

Die ersten digitalen Geräte der Tontechnik

Spulen wir den Verlauf der Zeit etwas zurück und werfen einen Blick auf die ersten professionellen Geräte, die als Pioniere den Grundstein für unser modernes Studio gelegt haben.

Delay

Das erste mir bekannte digitale Effektgerät stammt von einer Firma, die auch heute noch für großartige Hallsimulationen bekannt ist: Lexicon. Der Urvater aller MX- und PCM-Prozessoren erblickte 1971 als “Delta-T Digital Delay” das Licht der Welt und war eigentlich klanglich als auch funktional jedem Tape Delay unterlegen: Zwei Kanäle mit gerasterten Delayzeiten von bis zu 10 Sekunden bei einem stark limitierten Frequenzgang. Erst die nachfolgenden Generationen wie das T102 oder T92 entwickelten sich zu ernstzunehmenden Konkurrenten der analogen Technik.

Hall

Auch der erste Hall aus Bits und Bytes ließ nicht lange auf sich warten, 1976 kam der für Hallplatten bekannte Hersteller EMT mit dem EMT 250 Reverb auf den Markt. Obwohl äußerst klobig und nur mit wenigen Parametern bestückt, war dieses Gerät doch ein bedeutender Fortschritt. Anstatt verschiedene reale Hallräume bauen zu müssen, oder mehrere Hallplatten in den Keller zu stellen, reichte jetzt ein einzelnes Digitalgerät, um selbige zu simulieren.

EMT 250 als Emulation
EMT 250 als Emulation

Recorder

Für nur 115.000 $ konnte der geneigte Studiobetreiber bereits 1978 digitale Multitracks mit 32 Spuren erstellen. Das 3M Digital Audio Mastering System ist dabei auf den ersten Blick kaum von einer herkömmlichen 1 Zoll Bandmaschine zu unterscheiden und klang bereits so gut, dass damit erstellte Produktionen sogar für Grammys nominiert wurden. Mit nahezu linearem Frequenzgang und guten 90 dB Signalrauschabstand, musste es sich nicht hinter seinen analogen Schwestern verstecken.

3M Digital Tape Recorder (Quelle: 3M Anleitung)

Computer & Plugins

Zu guter Letzt habe natürlich auch Computer und Plugins zur digitalen Revolution beigetragen. Als langsam aber sicher alle die PCs (Ataris, Amigas, Macs und C64er) immer leistungsfähiger und erschwinglicher wurden, überschlug sich die Entwicklung von Sequenzern und Harddisc Recorder. Zu den ersten kommerziell verfügbaren Plugins gehört der auch heute noch exzellente Q10 von Waves, der 1992 das Licht der Welt erblickte.

Waves Q10. Quelle: Waves