Der innere Schweinehund

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Spätestens an Silvester haben gute Vorsätze wieder Hochkonjunktur: Weniger rauchen dafür mehr Sport, endlich Pro Tools lernen und ab sofort früher los fahren, damit die ständigen Verspätungen aufhören. Doch was davon setzen wir tatsächlich um?

Zwölf Monate später ist die Jahresbilanz meistens ernüchternd. Manches haben wir probiert, Anderes halbherzig erledigt, aber im Großen und Ganzen ist keines der gesteckten Ziele im vollen Umfang erreicht. Neben unvermeidlichen externen Faktoren und schlechten Ausreden wie “war mir dann doch nicht wichtig” oder “dafür war keine Zeit da”, liegt die Schuld bei uns selbst. Wir übernehmen uns, schieben Dinge bis zum letzten Zeitpunkt auf, oder trödeln in der Gegend herum, dass tatsächlich keine Zeit für die eigentlichen Dinge bleibt. Der innere Schweinehund und schlechtes (Zeit)Management hindern uns daran.

Multitasking

Während moderne Prozessoren spielend mehrere Aufgaben gleichzeitig bewerkstelligen, sind wir Menschen etwas eingeschränkter im Bezug auf Multitasking. Theoretisch können wir zwar Einrad fahren, dabei jonglieren und gleichzeitig ein Gedicht aufsagen, aber nur nach langem Training und unter großer Anstrengung.

Laut Studien1 ist unser Gehirn unfähig, mehrere Dinge bewusst parallel zu verarbeiten und wechselt in diesem Fall schnell zwischen den einzelnen Aufgaben hin und her. Selbst bei “banalen” Tätigkeiten wie Lernen mit leichter Hintergrundmusik leidet so die Konzentrationsfähigkeit und Arbeitseffizienz. In Versuchen von David Meyer und Jeffrey Evans schafften Probanden nicht einmal die Hälfte der Leistung, die sie ohne Ablenkung erbringen würden2.

Ebenfalls negativ äußert sich wirres Switchen zwischen verschiedenen Aufgaben. Erst etwas Programmieren, dann eMails checken, Programmieren, Facebook, Programmieren, Rechnungen schreiben, Programmieren, Telefon … Jeder Tätigkeitswechsel erfordert eine neue Einarbeitungsphase und damit einen zusätzlichen Zeitverlust.

 Zeitgwinn dank Singletasking
Zeitgwinn dank Singletasking
Eine kleine Übung zum Thema Multitasking

Aufschieberitis

Auf Platz 1 der Gründe, warum wir am Jahresende immer noch nichts geschafft haben, steht jedoch der innere Schweinehund, der zur Aufschieberitis führt. Nach dem Motto “Was du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen”, ignorieren wir gerne die eigentlichen, wichtigen Aufgaben und vertrödeln die Zeit mit belanglosen Dingen.

Obwohl übermorgen eine wichtige Präsentation ansteht, erscheint Fensterputzen und Autowaschen plötzlich viel wichtiger. Und wenn wir schon gerade dabei sind, können wir ja auch die Hecke schneiden und die Einfahrt neu pflastern … Alles ist besser als sich Gedanken um schöne Folien und interessante Inhalte zu machen.

 Was du heute kannst besorgen ...
Was du heute kannst besorgen …

Als Nebeneffekt können wir so selbst die schönen Momente des Lebens nicht genießen. Ob im Freizeitpark, in der Sauna oder beim relaxten Couching vor der Playstation beißt uns ständig unser Gewissen, dass es eigentlich etwas Wichtigeres zu erledigen gilt. Mit nahender Deadline steigt der Stresspegel und kann zu körperlichen Konsequenzen wie Einschlafstörungen führen.

Aufschieberitis ist bei extremen Fällen sogar eine anerkannte, diagnostizierbare psychische Störung3, die professionelle Hilfe erfordert. Ob und wie stark du der Prokrastination verfallen bist, kannst du auf der Seite der Uni Münster in einem Selbsttest herausfinden. Ansonsten ist die einzig hilfreiche Maßnahme: kremple die Ärmel hoch und gehe die Dinge an. Jetzt. Sofort.

Wobei, einen Moment noch, natürlich erst hier fertig lesen! Im Internet gibt es zwei schöne Videos zu diesem Thema die du auf alle Fälle anschauen solltest. Einmal Procrastination – The Musical und You Are Not So Smart – 7 gut investierte Minuten deines Lebens.

Was lernen wir daraus

1. Planen

Schweinehunde ignorieren gerne spontane Gedanken, besitzen aber enormen Respekt vor geschriebenen Aufgabenlisten. Ein sinnvoll gestalteter Tagesplan mit ToDos fördert die Wahrscheinlichkeit, dass am Tagesende tatsächlich etwas erledigt wurde. Nach einiger Zeit gewinnen wir dabei Routine und erledigen die kommenden Dinge ohne innere Hürden.

2. Abschalten

Damit die Konzentration bei der aktuellen Aufgabe bleibt, hilft “einfach mal abschalten” und alle störenden Elemente verbannen. Raus aus Facebook, Handy aus, eMail Programm schließen und die Nachrichtenzentrale auf “Do Not Disturb” stellen. Wenn wir für die Welt erst wieder in zwei Stunden erreichbar sind, wird sie bestimmt nicht untergehen, wir jedoch haben viel gewonnen.

3. Abbrechen

Auf Teufel komm raus an einer Aufgabe nagen, obwohl weder Lust, Motivation noch Kreativität aufkommen, ist natürlich kontraproduktiv. In diesem Fall überwerfen wir unsere eigenen Pläne und wechseln zu etwas anderem oder nutzen den Tiefpunkt gezielt für Entspannung und Ablenkungen.

  1. zum Beispiel “Cognitive control in media multitaskers” (Uni Stanford)
  2. Quelle: Focus
  3. Quelle: Uni Münster