Tonbänder sind besser als PCM – 13db Audio Knowledge
Tonbänder sind besser als PCM

Wer ist schuld wenn die Aufnahme kalt, steril, flach und ohne Druck erklingt? Natürlich der Harddisk Recorder! Weshalb genau weis zwar niemand so recht, vielleicht liegt es an der “geringen” Abtastrate, aber zumindest eines ist klar: mit einer Bandmaschine wäre so etwas nie passiert.

Analoges Tonband besitzt tatsächlich eine nahezu unendlich hohe Auflösung, doch ist dies am Ende wenig relevant. Es sind viel mehr kleine Ungenauigkeiten, nonlineare Frequenzgänge und sogar Störgeräusche die für “Wärme“, “schönen Charakter“, “breite räumliche Abbildung” oder “mehr Druck im Bassbereich” sorgen. Und weil dies so toll ist, schmeißen Studios selbst heute noch die alten Schätzchen von Studer und Revox an.

Warum es anders klingt

Streng genommen gibt es nicht den einen Bandmaschinen Sound, sondern zahllose Varianten. Jedes Modell besitzt seinen eigenen Charakter und variiert zusätzlich durch zunehmende Alterung, den verwendeten Tonkopf, Bandtyp, Vorschub und der eingestellten Bias.

Ein Blick auf die Frequenzebene offenbart nonlineare Aufnahme- und Wiedergabe-Verläufe die, ähnlich dem Frequenzgangs ein Mikrofon, Einfluss auf den Klang besitzen. Besonders auffällig ist dabei der Tief- und Hochton-Bereich. Während die hohen Frequenzen durch geringe Bandgeschwindigkeiten oft leicht gedämpft sind, erlebt der Bass zwischen 30 und 120 Hertz einen Hub von bis zu 4 dB. Dieses Verhalten ist als “Head Bump” bekannt und ein unvermeidbarere Nebeneffekt des Tonkopfes bei der Wiedergabe.

Weitere Klangveränderungen lassen sich auf Gleichlaufschwankungen (Flutter & Wow), sowie Diskrepanzen und Übersprechen zwischen den einzelnen Spuren zurückführen. Diese führen zu ständigen Modulationen, minimalen Zeitverzögerungen, Phasenverschiebungen und Tonhöhenänderungen.

Messkurven einer Bandmaschine mit typischen Head Bump und Höhenbeeinflussung
Drei Messkurven verschiedener Bandmaschine mit typischen Head Bump und Höhenbeeinflussung

Fazit

Die vielen “Unsauberkeiten” machen aus einem Tonband zwar kein technisch perfektes Gerät, dafür ein umso musikalischeres. Und da am Ende der Klang und nicht irgendwelche Messwerte entscheiden, kann der Einsatz analoge Bandmaschinen selbst heute noch sinnvoll sein.

Alternativ erzeugen wir die Färbungen auf digitaler Ebene über sehr authentischen Tape Emulationen, dies selbst bei schmalen Geldbeutel überzeugen. Wer hingegen lieber selbst Hand anlegt, kann seine persönliche Bandmaschine auch mit einer geschickten Kombination von EQ, Sättigungseffekt, Delay und Stereotools simulieren. Probier es doch einfach mal aus!

 Künstlicher "head bump" durch den Equalizer
Ein “head bump” ist in Sekundenschnelle mit dem Equalizer simuliert
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