Gain ist böse – 13db Audio Knowledge
Gain ist böse

Manche meiner Kollegen stehen der digitalen Summierung und Lautstärkeveränderungen noch immer sehr skeptisch gegenüber. Anstatt virtuelle Regler zu schubsen, wird die finale Mischung lieber über ein analoges Pult geleitet und selbst beim Mastering zwei mal überlegt, ob die Datei um 0.4 dB normalisiert werden darf oder nicht. Audiosoftware besitzt eben nur eine endliche Auflösung, die von der maximalen Wortbreite abhängig ist und jede Veränderung führt zu kleinen Fehlern, Quantisierungsrauschen und Verzerrungen. Doch ist die Angst davor begründet und analoge Alternativen tatsächlich besser?

Digital

Ganz ohne Verluste geht ins keiner der beiden Welten und je extremer die Bearbeitung wird, desto stärker hat Software die Nase vorne. Um das zu beweisen ermitteln wir in einem einfachen Versuch die Leistungsfähigkeit moderner 32 und 64 Bit Engines:

Nimm einen Sequenzer mit zum Beispiel 10 leeren Spuren und schicke ein Signal per Aux Send von einem in den nächsten Kanal, so dass nur der Letzte auf die Summe gelangt. Nun senke den Pegel mit dem Fader abwechselnd ab und heben ihn wieder an. Du kannst ruhig jeweils 40 dB und mehr pro Bearbeitung wählen und wirst dennoch keinen Unterschied hören!

Das Signal wandert von Links durch alle Kanäle bis auf den Master und wird abwechselnd um 5dB in der Lautstärke beeinflusst
Das Signal wandert von Links durch alle Kanäle bis auf den Master und wird abwechselnd um 5dB in der Lautstärke beeinflusst

Rate im folgenden Beispiel welcher Track ist unbearbeitet, welcher wurde 8 mal um 5 dB und welcher 8 mal um 20 dB bearbeitet?!

Setting 1 Setting 2 Setting 3
Lösung

Analog

Ein ähnlicher Versuch mit analogen Pulten hinterlässt hingegen deutlich mehr Spuren. Während die Signaldämpfung durch einen passiven Wiederstand annähernd verlustfrei geschieht, generiert der Aufholverstärker immer etwas Eigenrauschen und leichte Verzerrungen. Über die Vielzahl der Spuren und den benötigten hohen Verstärkungswerten, werden diese Artefakte selbst bei hochwertigster Hardware hörbar.

Simuliertes Verstärkerrauschen: 4 mal -100 dB Rauschen ergibt am Ende einen sichtbaren Ausschlag
Simuliertes Verstärkerrauschen: 4 mal -100 dB Rauschen ergibt am Ende einen sichtbaren Ausschlag

Fazit

Solange wir uns in praktisch relevanten Bereichen aufhalten und mit modernen Geräten arbeiten, sind weder digitale Veränderungen noch größere analoge Verstärkungen ein Grund zur Sorge. Wenn die Mischung am Schluss nicht klingt, alles rauscht und zerrt, sind vermutlich ganz andere Dinge daran schuld …

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