Digitale Equalizier klingen unterschiedlich – 13db Audio Knowledge
Digitale Equalizier klingen unterschiedlich

taschenrechnereq

 

Würdest Du mehrere Taschenrechner kaufen um damit unterschiedliche Matheaufgaben zu lösen? Vermutlich nicht. Ob Addition oder Bruchrechnen, am Ende steht auf alle Geräten dasselbe Ergebnis – Mathematik ist schließlich kein Zufallsprodukt.

Auch digitale Equalizer sind im Grunde Frequenz-Taschenrechner die unabhängig von der grafischen Oberfläche mit den selben Algorithmen und Berechnungsmethoden arbeiten. Frequenz X mit Bandbreite Y bei einem Verstärkungsfaktor Z ergibt das gewünschte Ergebnis, klangliche Unterschiede sind ausgeschlossen.

Nur weil etwas hübscher aussieht muss es nicht besser klingen (Links: Stillwell Freeware bei Reaper, Rechts: Sonnox Oxdord Native ca. 200 Euro)
Nur weil etwas hübscher aussieht muss es nicht besser klingen
(Links: Stillwell Freeware bei Reaper, Rechts: Sonnox Oxdord Native ca. 200 Euro)

1+1 = Null

Eine Möglichkeit diesen Sachverhalt nachzuprüfen ist das “Nullen“. Hierzu summieren wir den bearbeiteten Output von Plugin A mit dem phaseninvertierten Output von Plugin B. Mit zunehmender Übereinstimmung steigt das Maß der Auslöschung und der Pegel nimmt ab.

Im folgenden Screenshot liegt der summierte Pegel weit unter -60 dB und zeigt die nahzu perfekte Übereinstimmung der beiden Signale. In der Praxis kann unser Gehör keinen Unterschied zwischen den beiden Plugins erkennen – beide klingen gleich.

Die übrigen unhörbaren Differenzen könne wir mit Hilfe eines sehr genauen FFT-Analyzers oder eine Messsoftware wie FuzzMeassure sichtbar machen. Sind beide EQs nicht perfekt angeglichen, zeigt uns die Grafik Abweichungen in der Korrelation.

Frequenzkorrelation (Unterschiede) zweier Plugins
Frequenzkorrelation (Unterschiede) zweier Plugins

Schummelei

Dass sich beim Nullen eigentlich nie eine hundertprozentige Korrelation und damit kein perfekter Beweis für die Gleichheit aller digitalen Equalizer ergibt, liegt vor allem an einer Tatsache: viele Hersteller schummeln.

Zwei Plugins mit augenscheinlich übereinstimmenden Werten (Frequenz, Q, Gain) ergeben messtechnisch teils gewaltige Unterschiede, die nur durch zusätzliche “Features” erklärbar sind. Es werden absichtlich “Fehler” und “geheime Formel” eingebaut, dem Signal Rauschen und Verzerrungen hinzu gefügt oder die Werte auf der Oberfläche entsprechend nicht den tatsächlichen Berechnungen.

Im folgenden Beispiel wurden beim Waves SSL EQ und Fabfilter Pro Q 500 Hertz mit 6 dB und Q=1 geboostet. Das Messprogramm zeigt, dass der SSL in Wahrheit eine breitere Kurve mit mehr Boost bei einer anderen Centerfrequenz erzeugt. Klar dass diese beiden Plugins unterschiedlich klingen, obwohl sie auf der Oberfläche das selbe machen.

Gleiche Einstellung - zwei unterschiedliche Ergebnisse
Gleiche Einstellung – zwei unterschiedliche Ergebnisse

Fazit

Geht es alleine um den Klang, liefert mittlerweile jeder moderne Equalizer ein sehr gutes Resultat und selbst Freeware zieht mit vielen hundert Euro teuren 3. Party Plugins gleich. Gründe seine Sammlung zu erweitern sind alleine besondere Tools, die manche Klangästhetiken besonders einfach und schnell herbei zaubern oder durch tolle Features mehr Möglichkeiten als die Standardsoftware bieten. Schau doch am besten mal in unsere Freewaresammlung vorbei, vielleicht ist da auch ein nettes Spielzeug für Dich.

 

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