2. Eine typische Arbeitswoche

Was genau macht eigentlich ein Tontechniker? Hätte ich diese Frage am Anfang meiner Berufslaufbahn beantwortet, wäre als Antwort irgend etwas zwischen “der sitzt im Tonstudio und produziert dort tolle Musik” und “er darf Bands live mischen” herausgekommen.

Dies ist allerdings nur ein Bruchteil all seiner Möglichkeiten und fast schon eher selten denn alltäglich. Die richtige Antwort lautet: ein bisschen von diesem und ein bisschen von jenem. Tontechniker sind Allrounder und können an den verschiedensten Positionen eingesetzt werden.

Eine Woche Tontechnik könnte zum Beispiel so aussehen:

Eine Woche Tontechnik

Montag: Heute ist frei. Klingt komisch, ist aber so, denn schließlich hast du das Wochenende durchgearbeitet und dir einen freien Tag redlich verdient. Das tolle daran, kein Anstehen, wenn du in den Zoo gehst, keine überfüllten Hallenbäder … aber da dein Beruf auch dein Hobby ist, kannst du natürlich nicht die Finger vom Lötkolben lassen und bastelst weiter am Mikrofonverstärker Marke Eigenbau.

Dienstag: Das Telefon reißt dich aus dem Schlaf, ein EB-Team (Kamerateam) braucht dringend einen Tonassistenten. Zusammen mit Kameramann und Redakteur fährst du an den Ort des Geschehens und überträgst per Liveschaltung ein Interview mit einem wichtigen Politiker. Da er kein Ansteckmikrofon möchte, bleibt dir nur die Möglichkeit über die Angel den Ton einzufangen. Hoffentlich kommst du damit nicht aus Versehen ins Kamerabild ….

Mittwoch: Ein Singer-Songwriter, den du beim letzten Stadtfest live gemischt hast, war von dir so begeistert, dass er dich als Engineer für eine CD-Produktion gebucht hat. Daher geht es heute ins Mietstudio, um den jungen Mann mitsamt seiner Gitarre aufzunehmen. Etwas Kaffeeklatsch halten, die Mikrofone aufstellen, ein kurzer Test, aufnehmen, mischen und ein paar Stunden später klingen die neun Songs bereits so, dass man sie direkt auf CD pressen kann.

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Donnerstag: Hauptversammlung einer großen Aktiengesellschaft. Auf deinem Mischpult im Regieraum der Messehalle laufen 8 Tischsprechstellen, zwei Rednerpultmikrofone, 4 Handmikrofone für das Publikum, sechs Zuspielquellen des Filmkollegen, sowie ein Einlassgong und der iPod mit der Hintergrundmusik zusammen. Nebenbei betreust du die Dolmetscher in ihren Kabinen, programmierst die Sprechstellen und sorgst dafür, dass auch am Presseverteiler ein ordentlicher Pegel herrscht, damit sich EB-Teams deinen Ton saugen können. Da behaupte noch einer Konferenzen seinen langweilig!

Freitag: Obwohl das Heavy Metal Festival erst am Samstag ist, heißt es heute schon rauf auf die grüne Wiese und kräftig zugepackt. Zuerst werden die LKW entladen, die Bühne und das Rigg aufgebaut, dann das Material aus den Kisten geholt und schließlich alles an die Alutraversen gehängt und verkabelt. Bis du und deine Kollegen damit fertig sind, ist die Sonne bereits untergegangen und nach einem kurzen Umtrunk verkriechst du dich direkt in dein Zelt.

Samstag: Nachdem du eine Stunde lang das Brummen auf der Tonanlage gesucht hast und schließlich den Lichtdimmer des Kollegen aus deinem Stromkreis entfernt hast, kannst du endlich die PA einmessen und den FOH (Mischpult) konfigurieren. Dann steht auch schon die erste Band zum Soundcheck bereit und du kümmerst dich fleißig darum, dass es nicht nur vor der Bühne beim Publikum, sondern auch das Monitoring auf der Bühne hervorragend klingt. Von den drei Bands, die heute Abend spielen, bringt eine ihren eigenen Techniker mit, so dass du immerhin noch etwas Schlaf findest bevor du bis 6 Uhr morgens alles wieder abbaust und in die LKW verlädst.

Sonntag: Etwas übermüdet, aber dennoch guter Dinge geht es zur Spätschicht in den örtlichen Radiosender. Als Sendetechniker kümmerst du dich um einen reibungslosen Ablauf des Sendebetriebes, damit alle Pegel stimmen, die richtigen Einspielungen zur richtigen Zeit kommen, behebst kleinere technische Störungen und schnippelst nebenbei einen Beitrag zusammen.

Fazit

Wie du siehst, Langeweile kommt in diesem Beruf garantiert nicht auf, dafür gibt es zu viel Abwechslung und Möglichkeiten. Gerade in den ersten Jahren birgt jeder Tag noch etwas neues, man lernt nie aus und ständig hinzu, schließlich bleibt auch die technische Entwicklung nicht stehen.

Ob du später in allen Bereichen arbeitest oder dich lieber auf einen Teil spezialisierst ist dabei ganz dir überlassen. Festlegen muss man sich in keinem Fall, ein Wechsel von Live ins Studio oder von Theater ins Radio ist später noch möglich, denn die Grundlagen sind immer dieselben.