Anwendung Zeitparameter

Im Umgang mit den Zeitparametern gibt es zwei mögliche Ansätze: entweder wir versuchen die vier ADSR Signalphasen des Instruments möglichst originalgetreu zu erhalten, oder wir manipulieren sie absichtlich und verbiegen sie nach unserem Geschmack. Durch diese Einflussmöglichkeit können wir die Zeitparameter auch einer Art Klangregelung gleichsetzen. Jedes Instrument erhält sein eigenes, individuelles Klang-Tuning.

Attack

In den meisten Fällen und als gute Ausgangsbasis beträgt die Attack nur wenige Millisekunden oder gar Bruchteile dieses Wertes und erlaubt so eine äußerst schnelle Reaktion des Gates.

Zu kurze Anstiegszeiten führen jedoch zu annähernd rechteckigen Spannungsverläufen und damit zu hörbaren Knacksern. Eine minimale Verlängerung der Attack wirkt dem entgegen und sorgt für einen schönen Einklang (Fade-In). Bei Plugins lohnt der Versuch die Look-Ahead-Funktion zu aktivieren. In dem das Gerät den kommenden Einschaltzeitpunkt frühzeitig erkennt, öffnet es bereits vor den knacksenden Transienten.

Eine zu langsame Anstiegszeit verschluckt hingegen die ersten Audioinformationen und rundet das Signal ab. Was sich bei weichen Klängen positiv äußern kann, ist der Tod für alle perkussiven Instrumente. Hier wird die wichtigste Information, der Transient, schlicht abgeschnitten. Für eine bessere zeitliche Vorstellung: der Schlag einer Snare dauert im Schnitt ca 100 Millisekunden, davon ist das erste Drittel der Transient. Bei einer Attack von über 10 ms wird der Sound bereits deutlich beeinflusst.

Die Auswirkungen lassen sich nicht nur akustisch sondern auch optisch gut demonstrieren.

Release

Eine optimale Release zeichnet die vorhandene Ausklangphase eines Instrumentes nach und erhält so die Natürlichkeit. Am besten beginnen wir mit einer längeren Zeit von 100 ms und drehen diese langsam gegen Null.

Auf dem Weg dahin werden verschiedene Effekte hörbar: zuerst wird ein eventuell vorhandener Hallraum gedämpft, dann bricht das Instrument mitten im Ausklang ab. Wird es noch kürzer, wirkt das Gate wie ein Häcksler und bei kurzen, schnellen Tonfolgen erscheinen Pumpgeräusche vom rasanten Wechsel der Zustände. Als „kreativer“ Parameter, kann jeder dieser Effekte das gewünschte Ziel sein.

Hold

Nicht immer führt die Release alleine ans Ziel. Je nach Signalart und Position des Thresholds kann eine künstliche Verlängerung des Öffnungszustands über Hold ein Lebensretter sein.

Liegt der Threshold sehr hoch im Signal, geht das Gate spät auf und schließt im Gegenzug entsprechend schnell. Eine sinnvoll gewählte Hold-Zeit, verzögert den Start der Release und das komplette Nutzsignal bleibt erhalten. Selbiges funktioniert auch bei Instrumenten mit langer Ausklangsphase, die ansonsten abgeschnitten würde.

Gerade Signale mit viel Raumanteil oder kurzen Pegelspitzen können durch das schnelle öffnen und schließen des Gates zu einem unangenehmen Pumpeffekt tendieren. In diesem Fall wählen wir eine noch längere Release oder stellen Hold über die Länge zweier Transienten. Als netter Nebeneffekt bleiben diese durch die fehlende Attack komplett erhalten und behalten ihren Druck.

Zusammenfassung

In den meisten Fällen wählen wir die Attack so kurz wie möglich, ohne dass es zu ungewünschten Knacklauten kommt. Manche Geräte sind aus diesem Grund sogar mit einer festen Reaktionszeit ausgestattet oder lassen sich nur zwischen Fast und Slow umschalten.

Die Release ist zusammen mit einer optionalen Holdtime deutlich länger als die Attack. Dies vermeidet einen unnatürlichen, abgehackten Ausklang und beugt möglichen Pumpartefakten vor. Bei langem Sustain trägt sie aktiv zur Klanggestaltung bei, in dem die Releasephase des Instruments schneller eingeleitet wird.

Klingt das Ergebnis trotz alledem nicht wie gewünscht, ist vielleicht der Threshold schuld. Eine andere Position schafft für die Zeit- und Klangparameter völlig neue Voraussetzungen.

Natürlichkeit

  1. Suche mehre Instrumente mit unterschiedlichen Hüllkurven, zum Beispiel eine Snare, ein Klavier und eine Geige.
  2. Bearbeite sie mit dem Gate, so dass sie möglichst natürlich klingen
  3. Hast du eine gute Einstellung gefunden, variiere den Threshold und versuche es erneut

Generell sollte der Threshold so tief wie möglich im Signal liegen, damit das Gate möglichst zuverlässig und früh aufmacht.

Künstliche Klangbearbeitung

Nimm deine bereits gewählten Instrumente und bearbeite sie nun mit dem Ziel die Ein- und Ausschwungsphase umzugestalten. Wie gut kann man Resonanzen dämpfen? Wie lang muss die Attack bei einer Snare sein, damit sie milder klingt?

Wenn du dich noch unsicher fühlst, helfen dir bestimmt die folgenden Videos um die Einsatzmöglichkeiten des Gates besser zu verstehen.